Grundwasser in Korschenbroich

Korschenbroich: Wenn das Grundwasser wieder steigt

Die derzeit laufenden Verträge enden im Jahr 2021. Auch künftig muss weiter gepumpt werden. Die Herrenshoffer Notgemeinschaft will möglichst viele Betroffene von einer Kostenbeteiligung überzeugen.

„Wir wollten von Anfang an eine Kooperation mit der Stadt und keine Konfrontation“, sagt Gerd Salzmann. Er ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft Herrenshoff, unter deren Dach sich die Grundwasser-Notgemeinschaft zusammengefunden hat. Die Interessengemeinschaft hatte sich im Dezember 1975 gebildet. „Wir wollten den Kiesabbau stoppen, weil unsere Häuser schon Risse bekamen. Den Baggersee neben dem Schloss Myllendonk wollten wir aber erhalten“, erinnert sich Salzmann. „Als der Kiesabbau endete, waren unsere Themen Grundwasser und Fluglärm.“

Dass hohe Grundwasserstände einmal ein Thema werden könnten, darauf gab es durchaus Hinweise. Denn dass es immer schon recht feucht war, zeigen Namen wie Broich, das für eine Bruchlandschaft steht. Das Donk im Schlossnamen weist zudem auf eine Insel in nasser Umgebung hin. „Alte Herrenshoffer Einwohner erinnern sich noch daran, dass in früheren Jahren die umliegenden Felder im Winter unter Wasser standen und an frostigen Tagen sogar Schlittschuh dort gelaufen werden konnte“, sagt Karl Heinz Häusler von der Grundwasser-Notgemeinschaft. Es war also keine Überraschung, dass Grundwasser wieder zu steigend begann. Dass es aber in zahlreichen Neubaugebieten doch niemand wusste, lag an den damaligen Informationen der Stadt, die unbedingt die Einwohnerzahl von 30.000 haben und übertreffen wollte, jedoch über die möglichen Gefahren die Häuslebauer nicht informierte. „Die Stadt sagte, dass es Sache des Bauherrn und seines Architekten sei, eine Grundwassergefahr zu erkennen“, sagt Häusler.

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Zunächst wurde in Herrenshoff das Grundwasser abgepumpt, wenn es eine bestimmte Höhe, die sogenannte Grundwasserspitze, erreicht hatte. Später kamen besonders betroffene Gebiete in Kleinenbroich, Pesch und Raderbroich hinzu. Von Anfang an ging es aber um die zuweilen emotional geführte Frage, wer die Pumpaktion bezahlen sollte. Das waren schließlich die Stadt mit 20 Prozent, den Hauptanteil von 80 Prozent aber trug ein Teil der betroffenen Hausbesitzer. Es war jedem freigestellt, ob er zahlen wollte oder nicht. In Herrenshoff machten 200 Einwohner mit. Sie blieben auch dabei, als 2011 der jetzt gültige Vertrag geschlossen wurde, bei dem der Erftverband das Management der Pumpmaßnahmen für Herrenshoff, Kleinenbroich, Pesch und Raderbroich übernahm. Aus sieben Brunnen holt der Erftverband seitdem die Grundwasserspitzen und leitet sie Richtung Niers oder Erft. Hinzu kommt eine Pumpstation am Schloss Myllendonk. Insgesamt 1132 Hausbesitzer hatten sich 2011 zur Kostenbeteiligung entschlossen, wobei es unterschiedliche Beiträge gab, je nach Betroffenheit. Das geht von 80 Euro im Jahr in Kleinenbroich bis zu 184 Euro in Herrenshoff.

Der zurzeit gültige Vertrag ist auf zehn Jahre ausgelegt. Er endet 2021. Zurzeit bereitet sich die Stadt darauf vor, die Verträge neu zu verhandeln, damit die Pump-Aktion mit dem Erftverband weitergehen kann. Die im Zuge der Grundwasser-Diskussionen gegründete Wählergemeinschaft Die Aktive setzte sich bereits 2004 ebenso wie der damalige Landrat Dieter Patt dafür ein, das Kommunalabgabengesetz NRW so zu ändern, dass Beiträge von Bürgern nicht nur dann erhoben werden, wenn ein Thema der Volksgesundheit, sondern auch dem Gemeinwohl dient. Dann hätten alle Grundstückeeigentümer, die von der Pump-Aktion einen Vorteil haben, zahlen müssen. Doch das Gesetz zu ändern, lehnte die damalige Landesregierung ab. So zahlen bislang 1132 Freiwillige die 80 Prozent an den Gesamtkosten. „Wir hören aber immer wieder davon, dass noch fast 3700 Hausbesitzer von dieser Pumpaktion profitieren“, sagt Salzmann. Sie gelte es nun zum Mitmachen zu überzeugen. Denn wenn der Erftverband nicht mehr pumpe, „dann steigt das Wasser wieder.“