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Korschenbroich: Grübeln übers Stadtwerk

Korschenbroich : Grübeln übers Stadtwerk

Korschenbroich braucht länger als gedacht, über die Gründung eines Stadtwerks zu entscheiden. Der Kämmerer will den Rat im Dezember über die Verhandlungen mit möglichen Partnern informieren. Weiter interessiert ist die NVV.

Friedhelm Kirchhartz, Vorstandsvorsitzender der Mönchengladbacher NVV AG, hat nicht nur in seiner Freizeit als Radsportler Kondition. Auch beim Rennen um ein Korschenbroicher Stadtwerk ist er ausdauernd. "Wir sind noch dabei und harren der Dinge, die da kommen", sagte Kirchhartz am Montag zur Frage, ob der Mönchengladbacher Energie- und Gasversorger NVV weiter an der Gründung eines Stadtwerks gemeinsam mit der Stadt Korschenbroich interessiert sei.

Wie groß das Verfolgerfeld ist, lässt sich Korschenbroichs Kämmerer Bernd-Dieter Schultze nicht entlocken. "Es sind noch immer so viele Bewerber, dass wir genügend Auswahl haben", sagt Schultze.

Als die Stadt das Projekt im März europaweit ausschrieb, bekundeten sieben Unternehmen Interesse. Egal wie viele nach ersten Verhandlungsrunden noch am Ball sind: Alle müssen sich bis nächstes Jahr gedulden. Denn 2011, wie schon mal angepeilt, wird sich der Stadtrat wohl nicht mehr in Sachen Stadtwerk entscheiden.

Viele komplizierte Fragen

Die Materie, die Stadtverwaltung und Rat bewältigen müssen, ist komplex. Es geht nicht nur um die Frage: Unter welchen Umständen lohnt es sich für Korschenbroich und einen Partner aus der Energieversorgerbranche, ein Stadtwerk zu gründen und das Stromnetz in der Stadt zu erwerben?

Es geht auch um die Fragen: Mit welchem Partner wäre das am besten zu verwirklichen und welche Vorteile und Leistungen jenseits von Strom und Gas könnte der sonst noch auf lange Sicht in eine Kooperation einbringen? In Mönchengladbach betreibt die NVV beispielsweise die kostenträchtigen Schwimmbäder in der Stadt.

Korschenbroich hofft, von einem Stadtwerk mehr zu profitieren als bisher von den Einnahmen aus dem Konzessionsvertrag für Stromlieferungen ins Stadtgebiet. Weil die Sache so kompliziert ist, hat sich die Stadt von Anfang an von einem Gutachter beraten lassen. Mit allzu detaillierten Informationen zum Stand der Verhandlungen hält sie sich bedeckt. Sie will nichts preisgeben, was ihre Verhandlungsposition schwächen könnte.

Mithin arbeitet Kämmerer Schultze darauf hin, dem Stadtrat Mitte Dezember einen Zwischenbericht zu geben. Aber das soll — wie bisher bei diesem Thema praktiziert — hinter verschlossenen Türen im nichtöffentlichen Teil der Sitzung passieren.

Einen grundsätzlichen Beschluss für oder gegen ein Stadtwerk wird der Rat wohl erst zu Beginn des kommenden Jahres fällen. Noch hat er Zeit, denn der bestehende Stromvertrag für Korschenbroich läuft bis Ende 2012.

(RP)