Europawahl 2019: EU-Bürger aus Korschenbroich und ihr Blick auf Europa

EU-Bürger aus Korschenbroich : „Wir müssen alle zusammenhalten“

Am Sonntag ist Europawahl in Deutschland. Drei EU-Bürger aus Korschenbroich sagen, warum sie die Wahl für wichtig halten und was ihnen das vereinte Europa bedeutet. Es gibt Lob, Kritik – und einen Blick auf den Brexit.

Etwa 400 Millionen EU-Bürger wählen derzeit ein neues Parlament. In Deutschland fällt der Wahltag auf den kommenden Sonntag, 26. Mai – womit auch in Korschenbroich die Wahllokale wieder von 8 bis 18 Uhr geöffnet haben. Dann werden auch Korschenbroicher ihre Stimme abgeben, die ihre Wurzeln in einem anderen Land der EU haben. Was denken sie über das vereinte Europa, was finden sie gut und was schlecht an der EU? Wir haben drei von ihnen getroffen.

Ian Watkins (54, Logistiker) aus England

Ian Watkins lebt bereits seit 2002 in Deutschland, die Entwicklung nach dem Brexit in seinem Heimatland hat er dennoch sehr gut verfolgen können, da seine Mutter und seine Schwester noch in England leben. „Nachdem die Entscheidung gefallen war, hat es keinen klaren Plan, sondern nur Chaos gegeben. Und das sorgte für Unsicherheit. So etwas darf nun nicht noch in weiteren Ländern passieren“, sagt der 54-Jährige. Deswegen sei die Wahl nun auch so wichtig. „Die Bürger benötigen eine vernünftige Strategie, sonst ziehen radikale Parteien ins Parlament ein und wirken von innen nach außen. Doch gerade jetzt ist es wichtig, dass alle zusammenhalten“, sagt Watkins und nennt vor allem den Klima- und Umweltschutz als wichtiges Thema in der kommenden Zeit. 

Aude Chebson (46, kaufmännische Angestellte) aus Frankreich

Aude Chebson aus Frankreich hat in Steinhausen ihre zweite Heimat gefunden. Foto: Thomas Grulke

Aude Chebsons Familie könnte europäischer kaum sein. Sie ist gebürtige Französin, ihr Vater ist Ire und ihr Mann Deutscher. Ihr bedeutet das vereinigte Europa viel. „Gerade die Bindung zwischen Deutschland und Frankreich ist stark heutzutage, da gab es auch andere Zeiten“, sagt die kaufmännische Angestellte. Sie kann sich noch gut an die Zeit erinnern, in denen es nicht so problemlos möglich war, von A nach B zu reisen. Auch in ihrem Beruf hat sie beobachtet, wie die EU-Gesetzgebung vieles vereinfacht hat. „Ich würde mir allerdings wünschen, dass das Bildungslevel in den Ländern auf dasselbe Niveau gebracht wird und Abschlüsse aus einem anderen Land schneller anerkannt werden. Doch unser Europa ist noch jung, wir können nicht alles auf einmal verändern“, sagt Chebson, die vor 23 Jahren nach Deutschland kam. Sie findet es wichtig, dass „jedes Land in Brüssel repräsentiert wird“. Die Wahl sieht sie auch als eine Verpflichtung an: „Wir haben lange darum gekämpft, in einer Demokratie zu leben.“

Nadia Salomone (49, Inhaberin Eiscafé Ciprian) aus Italien

Nadia Salomone lebt im Winter in Italien, im Sommer in Korschenbroich. Foto: Thomas Grulke

Seit dem Jahr 2000 pendelt Nadia Salomone zwischen Italien und Deutschland. Den Winter verbringt sie in ihrer Heimat in den Dolomiten, im Sommer führt sie unter anderem das Eiscafé Ciprian im Ortszentrum Korschenbroichs, das längst zu ihrer zweiten Heimat geworden ist. „Das vereinte Europa ist ganz wichtig, es ist so viel besser, ohne Grenzen reisen zu können“, sagt Nadia Salomone. Manchmal wünsche sie sich jedoch, dass die Behörden der einzelnen Länder noch besser zusammenarbeiten und bestimmte Regeln sowohl in Italien als auch in Deutschland gelten würden. „Es geht da manchmal nur um Kleinigkeiten. Beispielsweise benötige ich wieder ein anderes Autokennzeichen, wenn ich zurück nach Italien fahre“, sagt Salomone. Am Sonntag gehe sie auf jeden Fall wählen.

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