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Korschenbroich: Eltern entscheiden über Schulzukunft

Korschenbroich : Eltern entscheiden über Schulzukunft

Die Hauptschule kann nur noch mit Hilfe von Förderkindern eine fünfte Klasse bilden. Sie kommt damit auf Dauer ihrer eigentlichen Bestimmung nicht nach. Als Alternative prüft die Stadt jetzt eine Kooperation mit der Gesamtschule Kaarst.

Die Hauptschule in Kleinenbroich ist die einzige ihrer Form im gesamten Rhein-Kreis Neuss, die noch eine Eingangsklasse bilden kann. Zum neuen Schuljahr 2015/16 wird die dafür erforderliche Schülerzahl aber nur durch eine unverhältnismäßige Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf erreicht. Zusätzlich zu diesen zwölf Anmeldungen kommen acht Schüler des sogenannten "Gemeinsamen Lernens". Ihre Förderschwerpunkte liegen sowohl in den Bereichen Sprache und Lernen als auch in der emotionalen und sozialen Entwicklung.

Experten sehen in dieser Konstellation den eigentlichen Erziehungsauftrag der Städtischen Hauptschule nicht mehr erfüllt. "Auf Dauer können wir die Hauptschule in dieser Gestalt nicht mehr fortführen", sagt Bürgermeister Dick. Am Donnerstag führte er über die Situation Gespräche bei der Bezirksregierung Düsseldorf, abends informierte er den Bildungsausschuss über die Erkenntnisse.

Demnach bestehen drei Handlungsmöglichkeiten. Erstens: Die Realschule öffnet sich für einen eigenständigen Hauptschulabschluss, was das neue Schulrechtsänderungsgesetz möglich machen würde. Gleichzeitig würde das aber den Druck auf die Nachbarkommunen erhöhen, die bereits jetzt Schüler aus Korschenbroich aufnehmen, aber in größerer Zahl ablehnen müssen. Zweitens: Die Stadt gründet eine eigene vierzügige Gesamtschule, was zulasten der bestehenden Realschule gehen würde. Drittens: Sie geht eine Kooperation mit der Gesamtschule Kaarst-Büttgen ein und eröffnet - unter Federführung von Kaarst - eine Dependance im Hauptschulgebäude. Hierfür wäre eine Zweizügigkeit mit mindestens 50 Kindern aus Korschenbroich erforderlich. Dies kann fundiert nur durch eine Elternbefragung nachgewiesen werden. Die Hauptschule würde daraufhin sukzessive aufgelöst.

Bürgermeister Dick tendiert zur Dependance-Lösung und möchte bald Gespräche in diese Richtung gehend mit der Stadt Kaarst führen. Vom Ausschuss erfuhr er dafür Zustimmung, auch Christa Pauwels als Vertreterin der Hauptschule sieht darin die beste Lösung. "Ein Hauptschüler bleibt ein Hauptschüler, auch wenn er dann Gesamtschüler genannt wird. In einer solchen Dependance wären sie gut aufgehoben", sagte sie.

Die Leiter von Gymnasium und Realschule, Uwe Roscheck und Martina Bartels-Walther, sehen ihre Schulen dadurch auch nicht beeinträchtigt. Schulrat Claus-Hermann Friedhoff vom Rhein-Kreis sieht in dieser interkommunalen Zusammenarbeit die zukunftssicherste Lösung. "Die Stadt könnte somit ein klares G8-System am Gymnasium und ein alternatives G9-System durch die Gesamtschule anbieten", sagte er im Ausschuss. Geführt würde die Dependance bis zur Klasse zehn, die Oberstufe würde in Büttgen unterrichtet werden.

Doch zunächst müsste die Elternbefragung vorbereitet und umgesetzt werden. Eine Realisierung der Zweigstelle wäre zum Schuljahr 2016/17 denkbar. Da der Bildungsausschuss regulär erst wieder im Dezember tagt, könnten Sondersitzungen einberufen werden.

(RP)