Korschenbroich: Eine Gemeinde wählt erst gar nicht

Korschenbroich : Eine Gemeinde wählt erst gar nicht

JÜCHEN/KORSCHENBROICH (hh) Es ist Wahl, und kaum einer will kandidieren – dieses Problem kennt auch Regionaldekan Ulrich Clancett in seinem Jüchener Sprengel. "In Gierath wird es in diesem Jahr erstmals keine Pfarrgemeinderatswahl geben, weil sich keine Kandidaten gefunden haben", sagt der Pfarrer.

In den Pfarren Jüchen und Garzweiler, die am 1. Januar 2010 fusionieren, stehen zehn Bewerber zur Wahl – für zehn zu vergebenden Mandate. Eine Wahl im eigentlichen Sinne ist das wohl nicht. Aber es gibt es auch noch positive Ausreißer: Die Gemeinden Hochneukirch/Otzenrath und Bedburdyck haben laut Clancett erfreulich viele Kandidaten.

Ein Grund für den Bewerber-Mangel liegt auf der Hand: So wie der Besuch der Gottesdienste und die Beteiligung am Gemeindeleben abnehmen, schrumpft auch die Schar derer, die Ämter übernehmen können oder wollen. Und selbst im Gemeindeleben verwurzelte Katholiken, die nicht aus Altersgründen oder wegen beruflicher Verpflichtungen ausfallen, sind schwer zu rekrutieren: "Wenn ich engagierte junge Leute habe, die ein Studium aufnehmen, sind die weg, und können auch kein Amt mehr übernehmen", sagt Clancett.

Laien, die sich stark in den Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen engagieren, können die Pfarrer entlasten. "70 Prozent meiner Arbeit besteht aus Verwalten und Organisieren", sagt der Korschenbroicher Pfarrer Frank van de Rieth, "das geht nicht, das ist zu viel." Will heißen: Es ist zu wenig Zeit für die Seelsorge.

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Dazu trägt paradoxerweise allerdings auch bei, dass es in den fünf Pfarren der Korschenbroicher Gemeinschaft der Gemeinden insgesamt zwölf aus Laien gebildete Rats- und Vorstandsgremien gibt. Und etliche Mitglieder nehmen's krumm, wenn der Pfarrer bei ihrer Sitzung mal fehlt. Für Friedrich Matzutt, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats von St. Andreas Korschenbroich, ist klar: Das Kirchenrecht, das mit Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand zwei getrennte Laiengremien vorsieht, hinkt der Realität hinterher. "Meiner Meinung nach müssten beide Gremien vereinigt werden", sagt Matzutt.

(RP)