Korschenbroich: Ein Schuhmacher aus Leidenschaft

Korschenbroich: Ein Schuhmacher aus Leidenschaft

Das Handwerk gehört zu den ältesten Zünften, stirbt aber aus. Andreas Wilms setzt die Tradition aus Überzeugung fort.

Die dreijährige Ausbildung zum Schuhmacher hat Andreas Wilms bei der Aachener Orthopädie Engels absolviert. Es gibt eben kaum mehr Schuhmacher-Betriebe, die noch ausbilden. "Es gibt ja immer weniger Schuhmacher. Ja, es ist ein aussterbendes Handwerk", stellt Andreas Wilms schlicht fest. Dabei nährte das Handwerk, das zu den ältesten Zünften gehört, einst viele Beschäftigte. Mit Einführung der maschinellen Schuhproduktion aber änderte sich das.

Wilms hat einen kompletten alten Schuhmachertisch mit Schemel und Schusterkugel. Den Tisch übernahm er vom Großvater, der ebenfalls das Handwerk lernte. Dessen Werkstatt war in den ersten Jahren in einer Scheune hinter dem Haus. Die Schusterlampe hat Wilms im Internet gefunden und gekauft. Die mit Wasser gefüllte Kugel reflektiert das Licht einer brennenden Kerze und beleuchtete so einst das Arbeitsfeld des Schuhmachers, als der noch auf elektrisches Licht verzichten musste. Wilms hat diese Dinge dem Heimatmuseum im ehemaligen Bahnhofsgebäude zur Verfügung gestellt. Dort zeigte der Handwerker interessierten Besuchern mit Mitteln aus längst vergangenen Zeiten, wie einst Schuhe verarbeitet und repariert wurden.

Der 34-Jährige leugnet nicht, dass ihm die Zukunft des Handwerks Sorge bereitet: "Die Angst, dass es aussterben könnte, hat natürlich jeder Selbstständige." Unterstützt von den Eltern führt er drei Geschäfte mit jeweils einer komplett eingerichteten Werkstatt. Die Mutter betreut das Geschäft an der Sebastianusstraße. Dort können Pflegemittel und Sohlen erworben werden. Angeboten wird zudem ein Schlüsseldienst. Der Vater kümmert sich um die Filiale in Meerbusch, und der Sohn arbeitet beinahe die ganze Woche über in Krefeld. Der charakteristische Geruch von Kleber und von Leder empfängt Besucher. In der Korschenbroicher Werkstatt steht noch eine alte Singer Nähmaschine. Das Equipment zeigt, dass die Arbeit maschineller geworden ist. "Diese Umstellung hat schon in den 1960er Jahren begonnen, und doch ist hier noch viel Handarbeit", sagt der 34-Jährige. Abgelaufene Absätze schleift er ab, dann setzt er ein neues Stück auf, klopft und nagelt es an. Wenn ein Schuh einen Rahmen hat und durchgenäht ist, näht er neue Sohlen an. Wilms beherrscht noch die zeitaufwendige Herstellung von maßgefertigten Schuhen, für die etwa 30 bis 40 Arbeitsstunden nötig sind. Das wird allerdings selten nachgefragt, und so hat er schon lange keinen Fuß mehr vermessen und dessen Maße auf einen Holzleisten übertragen. "Die Herstellung macht mir mehr Spaß als die Reparatur. Die große Herausforderung ist, dass der Schuh gut sitzt und den Wünschen des Kunden entspricht", erzählt der Schumacher über eine selten gewordene Arbeit.

Wilms hat seine Berufswahl nie bereut. Dabei treibt ihn nicht nur der Wunsch an, die Familientradition aufrecht zu erhalten: Lächelnd stellt er fest: "Ich liebe meinen Beruf. Mir macht die Arbeit Spaß. Es bleibt die Herausforderung, die Arbeit so auszuführen, wie der Kunde sie wünscht."

(NGZ)