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Ein Reiterkorps auf der Suche nach Zukunft

Vereine in Korschenbroich : Ein Reiterkorps auf der Suche nach Zukunft

Der Kleinenbroicher Reit- und Fahrverein sucht dringend Nachwuchs. Eigene Pferde können vom Verein nicht mehr gehalten werden.

Es waren einmal knapp ein Dutzend sattelfeste Männer, überwiegend mit eigenen Pferden, darunter Peter Ahrweiler. Der kam auf die Idee, ein Reitercorps zu gründen und stieß mit diesem Vorschlag damals auch auf breite Zustimmung. Inzwischen sind 40 Jahre vergangen und vieles hat sich verändert. Eigene Pferde hat heute niemand der insgesamt 14 Mitglieder mehr, die Tiere werden vom Kaarster Reitstall Bierewitz bei Bedarf ausgeliehen. Sportliche Erfolge spielen bei den Mitgliedern nur noch beim jährlich stattfindenden Ringstechen eine Rolle. Der Sport ist nicht zuletzt wegen der hohen Mietkosten für die Pferde nicht ganz preiswert. Trotzdem hoffen die Mitglieder des „Reit- und Fahrvereins Reitercorps Kleinenbroich“ auf mehr „Zuwachs“ – sie können ihn auch wirklich gut  gebrauchen.

 Auf die Standarte ist der Reit- und Fahrverein besonders stolz. Die Fahne wird bei allen Auftritten mitgeführt.
Auf die Standarte ist der Reit- und Fahrverein besonders stolz. Die Fahne wird bei allen Auftritten mitgeführt. Foto: Reichartz,Hans-Peter (hpr)

„Wir suchen dringend neue Mitglieder“, sagt Vorsitzender Bertel Peiffer. Nur 14 Mitstreiter seien es zurzeit. Das ist schon wenig genug, hinzu kommt noch die Tatsache, dass drei Mitglieder des Reit- und Fahrvereins Kaarster sind: „Immer wieder, so auch im nächsten Jahr, feiern Kleinenbroich und Kaarst zeitgleich das Schützenfest“, erklärt der 69-Jährige. 1978, als die Kleinenbroicher in ihren schmucken Uniformen zum ersten Mal beim Schützenfest mitmachten, hatten sie sich von vier Gastreitern aus Liedberg verstärken lassen. 1978 hatte auch ein erstes Turnier stattgefunden, ein internes allerdings. 1979 wurde dann das erste öffentliche Turnier ausgetragen, an dem zahlreiche Gäste aus der Region teilnahmen. Es wurde schnell zu einem besonderen gesellschaftlichen Ereignis mit rund 500 Besuchern und zuletzt 230 Startern.

Seit sieben Jahren findet es auf dem Klitzenhof in Büttgen auf den Buscherhöfen statt. Es heißt „Hans-Mösli-Turnier“ – der Name soll die Erinnerung wachhalten an eines der Gründungsmitglieder, das 1999 mit nur 48 Jahren starb. Hans Mösli und Peter Ahrweiler hatten sich einst häufig an Turnieren beteiligt. Die Veranstaltung ist ein reines Jugendturnier. Schirmherr ist in jedem Jahr der stellvertretende Bürgermeister Hans-Willi Türks. Ein bisschen stolz ist der Verein darauf, dass junge Teilnehmer von einst später erfolgreiche Reiter waren. Ein Musterbeispiel ist Gilbert Tillmann aus Grevenbroich, der mit „Hallo Max“ beim Hamburger Springderby im Jahre 2013 siegreich war.

Das jüngste Mitglied ist ein echtes „Eigengewächs“: Michael Aepfelbach macht seit seinem 15. Lebensjahr mit. Er ist heute 32 Jahre alt, von Beruf Gymnasiallehrer und im Reitercorps Kleinenbroich für die Finanzen zuständig. Zu den Veranstaltungen gehört der Herbstritt mit Gästen am 3. Oktober. „Wir reiten Richtung Schiefbahn, und in der Nähe des Flughafens Mönchengladbach gibt es dann ein Picknick. Unsere Frauen stoßen später dazu“, sagt Bertel Peiffer. Später trifft man sich dann im Vereinslokal „Schellen“ in Kleinenbroich. Die Frauen sind es auch, die sich bei Veranstaltungen wie dem Hans-Mösli-Turnier mächtig ins Zeug legen. Sie backen Kuchen und kochen Kaffee, damit es in der Vereinskasse kräftig klingelt. „Wir machen mit dem Turnier ein bisschen Gewinn, und das ist auch gut so: Denn mit dem Geld bezahlen wir die Musikkapelle, die während des Schützenfestes vor uns geht“, erklärt der Vorsitzende.