Korschenbroich: Ein literarischer Kaffeeklatsch

Korschenbroich: Ein literarischer Kaffeeklatsch

Die Veranstalterinnen von "Korschenbroich liest" hatten zu einem besonderen Wochenende eingeladen. An der Veranstaltung nahmen ausschließlich Frauen teil. Ihnen wurden Bücher vorgestellt, die gerade neu erscheinen.

Die besonderen Qualitäten, die ein Buch zum Lieblingsbuch machen, lassen sich nicht einheitlich definieren. Sicher ist jedoch: Vor der Krönung zum Favoriten steht die Entdeckung. Bei Literarischem Kaffeeklatsch und Ladies´ Night im Pfarrzentrum machten die Korschenbroich-liest-Veranstalterinnen Rita Mielke, Claudia Meuser und Gisela Retz erneut großen Appetit auf neue Lektüre. Mit 15 Buchtiteln stellten sie eine abwechslungsreiche Auswahl vom Krimi bis zum historischen Roman vor. Büchertisch und Büchertrödel boten Gelegenheit zum Stöbern und Kaufen. Kaffee und Kuchen beziehungsweise Wein und Imbiss rundeten die gesellige Runde ab. Zum 39. Kaffeeklatsch betonte Mielke: ",Korschenbroich liest´ feiert sein zehnjähriges Bestehen, und der Kaffeeklatsch ist eine der Keimzellen, seitdem alles im Kulturbahnhof begonnen hat." Beim ersten Mal waren 30 lesebegeisterte Frauen dabei. Inzwischen kommen etwa 140 und 160 Damen zum Kompaktwochenende mit Kaffeeklatsch und Ladies´ Night.

Mielke eröffnete die Buchpräsentation mit dem Roman "Was vom Tage übrig blieb" des Japaners Kazuo Ishiguro, Literatur-Nobelpreisträger 2017. Dieses Buch sei eines seiner prominentesten Werke, und auch dessen Verfilmung ein Meisterwerk, berichtete Mielke. Sie führte ein in die Geschichte über einen englischen Butler, der in Rückblicken zu sich selbst findet. Als besondere Qualität des Romans hob Mielke hervor, dass sich beim erneuten Lesen jedes Mal neue Lesarten ergeben.

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Zu Hendersons Buch "Letzter Bus nach Coffeeville" umriss Claudia Meuser die Personenkonstellation und versicherte den Zuhörerinnen: "Die schrägen Personen werden einem vertraut, und man hat das Gefühl zu verstehen, warum sie so geworden sind". Gisela Retz schwärmte bei der Vorstellung von Jäckles Roman "Stillhalten" von den klaren Worten der Autorin, die in Rückblicken die Bilanzierung eines Lebens darstellt. "Jäckle hat in einer sehr schönen Sprache geschrieben, die mich begeistert hat", so Retz. "Sie lässt uns in ihr Innerstes blicken", sagte Meuser sichtlich ergriffen über Christine Westermanns Stil im Buch "Manchmal ist es federleicht", eine Auseinandersetzung mit dem Abschiednehmen. Die Veranstalterinnen bewiesen eindrucksvoll, dass sie perfekt die Balance beherrschen, Interesse anzustoßen und nicht zu viel zu verraten. Sie lenkten den Blick auf Besonderheiten in der Darstellung von Charakteren, Lebenssituationen sowie Schreibweise und Begleitumstände. Der persönliche Bezug zum Buch macht die Präsentation authentisch.

(NGZ)