Korschenbroich: Ein Brückenbauer für die Flüchtlinge

Korschenbroich: Ein Brückenbauer für die Flüchtlinge

Amer Yakoob ist als Sprach- und Integrationsmittler Ansprechpartner für rund 600 Flüchtlinge. Vor 17 Jahren floh er selbst aus dem Irak.

Einen Termin bei einer Behörde wahrnehmen, Formulare ausfüllen oder ein Kind im Kindergarten anmelden: Was zum Alltag in Deutschland gehört, stellt Flüchtlinge häufig vor große Schwierigkeiten. In Korschenbroich finden sie jetzt Hilfe und Unterstützung. Seit dem 1. Juli arbeitet der im Irak geborene Amer Yakoob (43) als Sprach- und Integrationsmittler in der Stadtverwaltung. Er ist Christ und selbst vor 17 Jahren aus dem Irak geflohen. Mittlerweile spricht er fließend Deutsch, er hat die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen, und seine drei Kinder sind hier geboren. "Ich habe alles erlebt, was die Flüchtlinge gerade durchmachen und kann mich gut in ihre Situation hineinversetzen", sagt er. So sei bei ihm das Gefühl gewachsen, ihnen helfen zu wollen.

In der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Mönchengladbach hat er sich deshalb ehrenamtlich um sie gekümmert, gedolmetscht und bei Behördengängen begleitet. Schließlich hat er sein ehrenamtliches Engagement zum Beruf gemacht. In Köln absolvierte er bei der Internationalen Gesellschaft für Bildung, Kultur und Partizipation, kurz "Bikup" genannt, eine Ausbildung als Sprach- und Integrationsmittler. Nachdem Amer Yakoob im Rahmen seiner Ausbildung zunächst als Praktikant im Korschenbroicher Rathaus gearbeitet hat, ist er nun Mitarbeiter des Sozialamtes mit einem Büro im Alten Rathaus.

Doch am Schreibtisch trifft man ihn selten an. "Wir besprechen morgens im Team, was ansteht. Die meisten Termine finden außer Haus statt", sagt die stellvertretende Sozialamtsleiterin Petra Köhnen. Mit einer normalen Bürotätigkeit hat das nicht viel zu tun, geregelte Arbeitszeiten sind selten, und manche Termine muss er abends oder am Wochenende wahrnehmen. Das sei für ihn kein Problem, sagt er, denn er sei mit dem Herzen dabei.

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Sein nächster Termin führt ihn ins Krankenhaus, wo ein Flüchtling operiert werden soll. Dort wird er zum Mittler zwischen Ärzten und dem Patienten. Beim Aufklärungsgespräch mit dem Anästhesisten wird Amer Yakoob dabei sein. Er spricht neben Deutsch auch Englisch und die arabische Sprache mit allen Dialekten. Doch als Dolmetscher sieht er sich nicht. "Es geht insbesondere um die soziokulturelle Vermittlung. Jeder sollte die jeweils andere Kultur verstehen, um Konflikte zu vermeiden", sagt er. In der Ausbildung standen daher auch Kommunikation, Konfliktmanagement, Migrationssoziologie, der Aufbau des Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesens sowie Psychologie auf dem Lehrplan. "Ich möchte ihre Lebensgeschichte verstehen und im Hinblick darauf vermitteln", sagt er. Zum Beispiel, wenn sich verheiratete Flüchtlinge trennen wollen. Da könne er sich aufgrund seines kulturellen Hintergrundes viel besser in die Lage der Ehepartner hineinversetzen, sagt Petra Köhnen.

Eines legt Amer Yakoob den Flüchtlingen besonders ans Herz: Dass sie Deutsch lernen, damit sie eine Ausbildung machen und arbeiten können. Er hat zunächst als Fachlagerist und später in einem Restaurant gearbeitet. Jetzt hat er einen Beruf gefunden, der ihn erfüllt. "Wir konnten ein besonderes Vertrauensverhältnis zu den Flüchtlingen aufbauen. Sie kommen zu uns, wenn sie Hilfe brauchen. Darüber freuen wir uns", sagt Petra Köhnen.

(NGZ)
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