Dürfen Radler in Korschenbroicher Einbahnstraßen bald entgegen der Fahrtrichtung fahren?

Verkehrsausschuss Korschenbroich: Politiker testen Einbahnstraßenregelung für Radler

Der Fachausschuss diskutiert über Einbahnstraßen mit Radverkehr in Gegenrichtung. Jetzt soll es eine Testfahrt geben.

Gilt für Radfahrer in Korschenbroich bald nicht mehr das runde rote Schild mit dem breiten weißen Balken in der Mitte, das die Einfahrt in eine Straße untersagt? Im Ausschuss für Bau und Verkehr hatten Die Aktive, die FDP und die Grünen beantragt, alle Einbahnstraßen im Stadtgebiet als Einbahnstraße mit Radverkehr in Gegenrichtung umzuwidmen. Damit soll das Radfahren in Korschenbroich noch attraktiver werden. Die Verwaltung fürchtet, dass er vor allem gefährlicher wird und  die Stadt bei Unfällen haften müsse. „Das Radfahren trägt gerade auf den Kurzstrecken im Alltag zur Vermeidung von ungewolltem innerörtlichen KfZ-Verkehr bei. Deswegen sind Maßnahmen zu begrüßen, die das Radfahren fördern. Hierzu gehört auch die Freigabe von Einbahnstraßen in Gegenrichtung für den Radverkehr“, ist in dem Antrag zu lesen. „Die Verwaltung soll darstellen, bei welchen Einbahnstraße das möglich ist“, sagte Jochen Andretzky (Die Grünen). Stefan Schramke (SPD) erklärte, das werde nicht bei allen Einbahnstraßen möglich sein: „Gut, dass die Erlaubnis für Radfahrer, die Berliner Straße in beide Richtungen befahren zu dürfen, aufgehoben wurde.“ Für Peter Holzenleuchter (CDU)  käme die Friedrich-Ebert-Straße für die von den drei Fraktionen angestrebte Lösung nicht infrage. Er verwies auf haftungsrechtliche Fragen, die es zu prüfen gelte. „Wir müssen spezielle Gründe haben, wenn wir eine Einbahnstraße für Radfahrer nicht freigeben“, erklärte Dezernent Georg Onkelbach. Die Gründe seien in der Fachliteratur nicht so ganz eindeutig beschrieben. Seine Vermutung: „Die meisten Einbahnstraßen in Korschenbroich werden dafür nicht infrage kommen.“

Sein Vorschlag: Er und Ausschussmitglieder sollten die betreffenden Straßen mal mit dem Rad gemeinsam abfahren und anschließend im Ausschuss eine Entscheidung treffen. Jochen Andretzky wies auf jahrelange Erfahrungen und empirische Untersuchungen hin, „von daher sollten wir mehr der Wissenschaft folgen und weniger dem Bauchgefühl.“ Onkelbach erklärte, die Verwaltung könne bei Unfällen als Straßenverkehrsbehörde haftbar gemacht werden. Es sei zu bedenken, dass auch Kinder schwierige Situationen meistern müssten, wenn sie auf engen, unübersichtlichen Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung radeln dürften. Andretzky wird der Verwaltung Schriftstücke über das strittige Thema zukommen lassen, einstimmig wurde eine gemeinsame Befahrung mit dem Rad beschlossen, dann kommt der Antrag wieder auf die Tagesordnung.

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