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Karl-Heinz Göris: Die Kinder-Direkthilfe orientiert sich neu

Karl-Heinz Göris : Die Kinder-Direkthilfe orientiert sich neu

Die von Korschenbroicher Schützen gegründete Initiative förderte über Jahre hinweg ein Straßenkinder-Projekt in La Paz. Jetzt sollen die Spenden nach Ghana fließen. Karl-Heinz Göris ist neuer Vorsitzender der Direkthilfe und erklärt, was es mit der Neuorientierung auf sich hat.

Herr Göris, Sie sind seit Januar neuer Vorsitzender der Kinder-Direkthilfe. Warum trennt sich der Verein nach so langer Zeit von dem Hilfsprojekt in Bolivien?

Karl-Heinz Göris In den vergangenen 18 Jahren haben wir das Projekt für Straßenkinder in der Hauptstadt La Paz mit den Spenden unterstützt - und das sehr erfolgreich. In der Zwischenzeit hat sich dort viel getan, der Betrieb läuft inzwischen sehr professionell. Wir konnten uns davon überzeugen, dass die Helfer vor Ort um den Mönchengladbacher Pfarrer Josef Neuenhofer jetzt auch ohne unseren Spendenbeitrag auskommen. Deshalb wollten wir uns neu orientieren.

Wie viel Geld floss zur Unterstützung nach Bolivien?

göris Wenn wir alle Spenden aus den vergangenen 18 Jahren zusammenrechnen, kommen wir auf rund vier Millionen Euro. Dieses Geld kam an - und wir sind dankbar, dass uns so viele Spender über Jahre treu geblieben sind. Inzwischen sind es Menschen aus ganz Deutschland, vorzugsweise natürlich aus der Region. Damit hätten wir bei der Gründung der Kinder-Direkthilfe nicht gerechnet. Alles begann damals mit der Pfingsttombola beim Korschenbroicher Schützenfest.

Und jetzt will die Kinder-Direkthilfe ein neues Projekt in Ghana unterstützen?

Göris Richtig. Zwischenzeitlich war unklar, ob es die soziale Initiative weiterhin geben würde. Aber die Mitglieder waren sich einig, dass es weitergehen soll. Schließlich wollen wir den Ansatz aus der Schützenbruderschaft weiterverfolgen, nicht nur Feste zu feiern, sondern zeitgleich auch etwas Gutes zu tun.

Wie soll die Unterstützung in Ghana genau aussehen?

göris Es handelt sich um ein Hilfsprojekt für Opfer von Gewalt und Kinderhandel in Bolgatanga. Dort gibt es seit 1997 das "Centre for Child Development", in dem Kindern geholfen wird, den Teufelskreis von Verlassenheit, Armut und Gewalt zu durchbrechen und in ein geregeltes Leben zurückzufinden. Ein zentraler Gedanke ist dabei die Reintegration in Familien.

Wie viele Kinder können von der Hilfe des Vereins profitieren?

göris Aktuell betreuen die Sozialarbeiter vor Ort 35 Kinder in der Einrichtung. Es gibt auch Streetwork-Programme, mit denen weitere Kinder und Familien erreicht werden.

Aus welchem Grund hat die Kinder-Direkthilfe sich für das Projekt in Ghana entschieden?

göris Das Leid der Kinder in Ghana hat uns sehr bewegt. Viele Eltern glauben etwas Gutes zu tun, wenn sie ihre Kinder an illegale Händler verkaufen, die grenzüberschreitend aktiv sind. Den Eltern wird versprochen, dass die Kinder eine deutlich bessere Zukunft erwartet. Das ist aber in den meisten Fällen nicht der Fall - die Kinder werden missbraucht und ausgebeutet, müssen etwa auf Plantagen arbeiten.

Die Einrichtungen in La Paz unterstützte Ihr Verein insgesamt 18 Jahre lang. Ist so ein langer Zeitraum auch für das neue Projekt vorgesehen?

göris Wir haben uns genau über die Arbeit des "Centre for Child Development" informiert und streben wieder eine langjährige Förderung an. Viel wichtiger als große Spenden sind uns allerdings die Kontinuität und die konkreten Hilfsmaßnahmen. Wir werden die Einrichtung in Ghana im Herbst übrigens mit einer Delegation besuchen und uns vor Ort einen Eindruck verschaffen. Im Gegenzug hoffen wir natürlich auch auf Besuche aus Ghana.

So viel zum neuen Hilfsprojekt - aber auch innerhalb der Kinder-Direkthilfe gibt es Veränderungen.

göris Wir wollen das Bestehen des Vereins weiterhin sichern und wollen versuchen, jüngere Nachfolger zu finden, die sich in der Kinder-Direkthilfe engagieren möchten. Seit seiner Gründung vor 33 Jahren zählt das Sozialwerk 16 Mitglieder, die natürlich auch älter werden.

Worin sehen Sie ihre Aufgaben als neuer Vorsitzender?

göris Der Erfolg der Kinder-Direkthilfe ist in ganz außerordentlicher Form mit meinem Vorgänger und Freund Jürgen Hüsges verbunden. Ich sehe meine Aufgabe in erster Linie darin, die Idee der Kinder-Direkthilfe weiter zu verfolgen und dafür zu sorgen, dass sich der Verein verjüngt. Großes Ziel ist darüber hinaus, das Hilfsprojekt in Ghana eines Tages genauso erfolgreich abschließen zu können wie das in Bolivien.

Wird es auch in diesem Jahr wieder eine Pfingsttombola zu Unges Pengste in Korschenbroich geben?

göris Selbstverständlich. Das hat Tradition - und ist nach wie vor eine wichtige Spendenquelle. Schließlich bringen wir 12 000 Lose unter die Menschen, die zum Preis von jeweils einem Euro erhältlich sind. Viele Firmen unterstützen uns, indem sie Sachpreise zur Verfügung stellen.

(RP)