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Die Evangelische Kirche erinnert an deportierte Juden in Glehn und Korschenbroich

Holocaust : Evangelische Kirche Glehn erinnert an deportierte Juden

In einem besonderen Gottesdienst am Sonntag in Glehn werden rund 30 deportierte und ermordete Juden in die Fürbitten eingeschlossen.

Erstmals wird die evangelische Friedenskirche Glehn am Sonntag, 27. Januar, 11 Uhr, einen Gottesdienst gestalten, der das Gedenken zum Holocaust thematisiert. Der 27. Januar war der Tag der Befreiung der beiden Konzentrationslager Auschwitz im letzten Jahr des Zweiten Weltkrieges – in Deutschland ist dieses Datum seit 1996 offiziell Holocaust-Gedenktag. 2005 hat die UN-Vollversammlung dieses Datum zum weltweiten Gedenktag erhoben. In der Friedenskirche Glehn wird es nun erstmals einen Gottesdienst zum Thema Holocaust und zu den damals betroffenen jüdischen Familien im Ort geben. Prädikant Klaus Fischer, der seit 20 Jahren in Glehn lebt und seit Dezember 2014 in der evangelischen Friedenskirche als Prädikant wirkt, hatte zu seiner großen Freude bei der Durchsicht des „Sonn- und Feiertagskalenders“ entdeckt, dass erstmals auch der Holocaust Gedenktag unter den diversen Vorschlägen zur Gestaltung von Gottesdiensten am 27. Januar ist, der in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt.

Sofort machte sich der 64-Jährige an die Vorbereitung, und er sagt: „Ich hatte vor Jahren das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau und auch das Mahnmal Yad Vashem für verschleppte und ermordete Juden in Jerusalem besucht – Eindrücke, die mich nie wieder losgelassen haben.“ Zufällig hatte er später an der Glehner Hauptstraße die Stolpersteine zum Gedenken an Mathilde, Lazarus und Karl Winter entdeckt und sich im Korschenbroicher Stadtarchiv kundig gemacht. Seitdem weiß er: „.Hier in Glehn haben viele jüdische Menschen gewohnt, die deportiert und ermordet worden sind – das dürfen wir nicht vergessen!“

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Deshalb wird Prädikant Klaus Fischer am Sonntag in den Fürbitten während des Gottesdienstes auch alle bisher bekannten 23 Namen der damals betroffenen Glehner und auch der sieben Korschenbroicher Juden nennen: An der Hauptstraße waren es Gudula und Hermann Winter, Mathilde, Lazarus und Karl Winter, Adele, Moritz, Hannelore und Edeltraud Neuhaus sowie Elsa und Siegfried Winter. Auch an der Kirchstraße lebten jüdische Menschen, die nach ihrer Deportation nicht zurück kamen: Meta Löwenstein, Emma Winter sowie Karoline und Leopold Ullmann, Rosalie Winter, Regina und Max Schnock.

Ein Haus an der Sandkaule war das Zuhause von Mathilde, Hermann und Paul Jakob Winter, an der Friedensstraße lebte Walter Wolff.

Weitere sieben jüdische Menschen wohnten in Korschenbroich: Fanny und Kurt Winter an der Steinstraße, Hilde Levy und ihr Vater Wolfgang Klein an der Hochstraße, Hermann und Rosalie Schwarz sowie Luise Schwarz an der Mühlenstraße. In Erinnerung an deportierte und ermordete Juden auf dem Gebiet der heutigen Stadt Korschenbroich wurden in den Jahren von 2006 bis 2009 dort, wo die verfolgten Menschen gewohnt hatten, „Stolpersteine“ aus Messing in den Bürgersteig verlegt als Erinnerung an die Menschen und ihr Schicksal  im Nationalsozialismus. In Korschenbroich waren die „Stolpersteine“ vor gut einem Jahr bereits von Schülern des Gymnasiums und der Realschule gesäubert worden. In Glehn hat Klaus Fischer jetzt diese Denkmale blank geputzt.

Prädikant Klaus Fischer ist derselben Überzeugung wie Deutschlands früherer Bundespräsident Roman Herzog, der im Jahr 1996 bei der Ernennung des 27. Januar zum Holocaust-Gedenktag erklärt hatte: „Die Erinnerung darf nicht enden – sie muss auch zukünftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.“