Korschenbroich: Der ruinierte Dorfmittelpunkt

Korschenbroich: Der ruinierte Dorfmittelpunkt

Trauriger Anblick im Ortskern von Pesch: Der ehemalige Gasthof Deuss ist halb abgerissen, der Investor hat seine ursprünglichen Pläne verworfen. Es ist unklar, was und vor allem wann etwas mit dem Areal passiert.

Ende Oktober 2016 war Schluss: Mit dem Gasthof Deuss verloren die Pescher einen wichtigen Treffpunkt und Versammlungsort. Als wäre das noch nicht schlimm genug, bleibt von dem einst belebten Gasthof jetzt nur noch eine Ruine. Das Haus an sich ist zur Hälfte abgerissen, Saal und Platanengarten stehen noch komplett. Seit vielen Wochen tut sich nichts auf dem Grundstück - und kaum jemand weiß, wie es mit dem ehemaligen Gasthof weitergeht.

Dem Vernehmen nach plant der Investor, auch den übrigen Teil des ursprünglichen Gasthofes abreißen zu lassen - mit Ausnahme des Saals. Der Platanengarten muss stehen bleiben, weil er unter Schutz steht. "Die Bausubstanz des eigentlichen Gasthofes ist schlecht", erzählt Hans Willi Türks. Der CDU-Kommunalpolitiker wohnt selbst in Pesch und bedauert den traurigen Anblick im Kern seines Heimatortes. Er hatte Kontakt mit dem Investor, den unsere Redaktion in den vergangenen Tagen nicht erreichen konnte, und bestätigt, dass der Abriss der Ruine bereits angekündigt worden ist. Trotz des Verlusts des markanten Fachwerkhauses äußert Türks mit Blick auf die Bausubstanz des Haupt-Hauses Verständnis für die Pläne des Investors.

Fest steht: Die Stoffel-Vermögensverwaltung hat sich von ihren ursprünglichen Plänen, dort zusätzlich zur Gastronomie ein neues Hotel zu bauen, verabschiedet. "Unwirtschaftlich" lautet das Urteil einer Studie, die sie in Auftrag gegeben hatte. Dies war im Oktober vergangenen Jahres bekannt geworden. Damals wollte der Investor noch an der Gastronomie im Ursprungs-Gasthof festhalten, wie der Korschenbroicher Architekt Joachim Hein erklärte. Er war nicht bereit, mit unserer Redaktion über weitere Planungen zu sprechen.

Aus einem anderen Blickwinkel zeigt sich jedoch, dass der Gasthof mittlerweile nur noch eine Ruine ist. Und keiner weiß so richtig, wie es weitergeht. Foto: Thomas Grulke
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Bürgermeister Marc Venten berichtete kürzlich bei einer Bürgerversammlung im Ortsteil, dass der Verwaltung keine neuen Pläne des Investors bekannt seien. Ins Spiel gebracht worden war auch der Bau von zwölf Wohnungen als Ersatz für das Hotel. "Der Eigentümer kann nicht alles abreißen und dort nur Wohnungen bauen", betonte Venten. Es handele sich bei dem Areal, auf dem die Ruine steht, um ein sogenanntes urbanes Gebiet, das eine Mischnutzung vorsehe. Soll heißen: Es muss weiterhin eine gewerbliche Nutzung auf dem Grundstück geben - in welcher Form auch immer. Der Investor ist also nicht verpflichtet, dort eine Gaststätte zu bauen.

Für die Vereine wäre jedoch genau das eine "Bereicherung", wie es Türks auf den Punkt bringt. Er hat immer noch Vertrauen in den Investor, dass dieser für eine entsprechende Lösung sorgt. "Ich bin immer noch zuversichtlich", sagt er auch mit Blick auf den Versammlungssaal, der nach seinen Informationen stehenbleiben soll.

Info Der Planungsausschuss berät über den Bebauungsplan für das Gebiet. Einen finalen Satzungsbeschluss könnte der Stadtrat Ende März fassen. Dann können Baugenehmigungen erteilt werden. Eine Baugenehmigung erlischt nach drei Jahren; sie kann aber um je ein Jahr verlängert werden - auch rückwirkend.

(cka)