Korschenbroich: Der Ritterschlag vom Kaisersohn

Korschenbroich: Der Ritterschlag vom Kaisersohn

Otto von Habsburg, Sohn des letzten österreichischen Kaisers, schlug Norbert Post und Professor Gunter Konrad gestern zum Ritter des Ordens vom Heiligen Sebastianus in Europa. Auch fünf Korschenbroichern wurde diese Ehre zuteil. Sie treten für christliche Werte ein und leben diese vor.

Manchmal ist Wartezeit eine richtig produktive Angelegenheit. Professor Gunter Konrad steht gemeinsam mit dem Gladbacher Landtagsabgeordneten und OB-Kandidat Norbert Post vor der Pfarrkirche in Korschenbroich. Beide nutzen die Zeit, um noch einmal in sich zu gehen. Ihre Gedanken kreisen um ein Thema, das ihnen am Herzen liegt: Werte. Es ist 16.30 Uhr. Vor der Kirche herrscht Hochbetrieb. Schützen aus zehn Nationen freuen sich dort auf das Pontifikalhochamt mit Weihbischof Heiner Koch. 20 von ihnen — darunter Konrad und Post — werden dabei von Otto von Habsburg zum Ritter geschlagen. Mit der feierlichen Investitur werden sie neue Mitglieder des Ritterordens vom Heiligen Sebastianus in Europa. "Das ist eine hohe Ehre", sagt Konrad. "Denn es bedeutet, in die Tradition christlicher Werte eingebunden zu sein, diese zu pflegen und weiterzugeben."

Um kurz vor 17 Uhr erscheinen Otto und Karl von Habsburg. Vom Hannenplatz aus machen sich Sohn und Enkel des letzten österreichischen Kaisers auf den Weg Richtung Pfarrkirche. Otto von Habsburg ist Großmeister des "Ordens vom Heiligen Sebastianus in Europa". Im Aachener Dom übergibt der 95-Jährige das Amt morgen, 10 Uhr, an Karl von Habsburg. Es ist ein Amt, das Otto von Habsburg viel bedeutet.

Zu den Leitgedanken des Ordens zählen der Glaube an Gott, der Einsatz für ein vereintes, christliches Europa und für das Leben. Diese Leitgedanken sollen bei den Ordensmitgliedern nicht nur ankommen — sie sollen gelebt werden. Diese Botschaft kommt an. "In unserer globalisierten Welt ist die Aufrechterhaltung und die Verbreitung dieser Werte von immenser Bedeutung", meint Norbert Post. Genau das ist es, was die Bruderschaften und Schützenvereine auch für junge Menschen so attraktiv macht: die Besinnung auf Glaube, Sitte, Heimat. Daher bezieht sich der Ritterorden vom Heiligen Sebastianus in Europa konsequent auf die Jahrhunderte alte Tradition des Schützenwesens. Für Professor Gunter Konrad ist der Ritterschlag daher auch ein "Zeichen und Bekenntnis zu dieser Tradition".

  • Fotos : Ritterschlag vom Kaisersohn

In seiner Predigt macht Weihbischof Heiner Koch die Bedeutung von Heimat und Glauben deutlich. Jeder Mensch suche ein Zuhause, einen Ort, wo er hingehört. Jeder brauche Menschen, die füreinander einstehen und da sind — ganz gleich, ob in guten oder schlechten Zeiten. "Alles Große wächst, wenn man es teilt", sagt Koch. Das gelte insbesondere auch für einen gelebten christlichen Glauben. Der Ritterschlag ist ein Bekenntnis hierzu. Darauf zielen auch die Fragen, die Großmeister Otto von Habsburg an die Kandidaten zum Ritter stellt. Er fragt nach der Bereitschaft, den Lebenswandel nach den Ordensregeln zu gestalten und so durch das persönliche Verhalten "Zeugnis von unserer christlichen Gemeinschaft" abzugeben. "Ja, wir sind bereit", antworten die Kandidaten. Nun folgt der Ritterschlag.

Einzeln werden die Kandidaten aufgerufen. Otto von Habsburg erhebt das Schwert. Sanft führt er es an die linke Schulter, dann an die rechte und noch einmal an die linke. Neben Professor Konrad und Norbert Post werden auch fünf Korschenbroicher zum Ritter geschlagen: von der St. Sebastianus Bruderschaft Präsident Peter Schlösser und Ehrenpräsident Hermann-Josef Kronen, St. Katharina-Junggesellen-Präsident Marc Venten und dessen Vorgänger Thomas Siegers sowie der stellvertretende Landrat Dr. Hans-Ulrich Klose. "Ich bin seit über 40 Jahren Schütze. Für mich ist der Ritterschlag eine große Freude, weil es ein Wertebekenntnis ist", sagt Klose. Als die Schützen um 19 Uhr aus der Kirche kommen, wartet draußen bereits eine Kutsche auf Otto von Habsburg. Mit seinem Sohn steigt er ein. Man spürt einen Hauch von Kaiserzeit.

(RP)