1. NRW
  2. Städte
  3. Korschenbroich

Korschenbroich: Der Graben und das Bier

Korschenbroich : Der Graben und das Bier

Ein bisschen ist auch die Sorge um den Biernachschub daran schuld, dass an der Gilleshütte kräftig gebaggert wird: Für gut 640.000 Euro wird dort derzeit der Neersbroicher Graben um- und in die Niers geleitet.

Das soll die Bewohner von Herrenshoff vor feuchten Kellern schützen. Denn wenn der Durchstich zur Niers fertig ist, wird ab Gilleshütte kein Wasser mehr durch den Graben gen Herrenshoff fließen und ins Grundwasser-Reservoir sickern. Dass bislang überhaupt noch Wasser im Graben war, geht auf zwei Landwirte zurück, die vor 74 Jahren die Stadt Rheydt verklagt haben. Sie wollten Nierswasser — zur Sicherung des Wasserbedarfs der Landwirtschaft und der Brauerei Bolten.

Zu wenig Wassernachschub für das Korschenbroicher Gebiet befürchteten die beiden Bauern, als sie 1935 gegen die Stadt Rheydt klagten. Damals, so Thomas Kochs vom Korschenbroicher Abwasserbetrieb, wurde das Bett der alten Niers reguliert und ein neues, tiefer gelegenes geschaffen. Das Wasser des alten Flusslaufes flutet seitdem den Graben von Schloss Rheydt. Die klagenden Bauern setzten damals durch, dass trotz der Regulierung weiterhin Wasser von Rheydter Territorium in den Neersbroicher Graben fließen müsse. Weil das Bett der neuen Niers allerdings zu tief lag, hätte man das Wasser aufwendig in den Graben pumpen müssen. Stattdessen schuf man einen Zufluss über ein Rohr aus der alten Niers.

Beim Baggern an der Gilleshütte entsteht zugleich eine künstliche Flussaue, durch die der Neersbroicher Graben geführt wird. Bei starken Regenfällen kann sie bis zu 20 000 Kubikmeter Hochwasser aus der Niers fassen. In solchen Fällen mischt sich das Wasser aus der Niers und aus dem Graben.Erhoffte Folge: Pflanzen und Tiere aus der Niers besiedeln nach und nach den Graben.

(RP)