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Korschenbroich: Der Evergreen des Brauchtums

Korschenbroich : Der Evergreen des Brauchtums

Rund 50.000 Menschen haben in Korschenbroich von Samstag bis Diensta Unges Pengste, die größte Schützensause der Region, gefeiert. Der Mix aus Marschmusik und Rock, Kirmes und Tradition lockte auch prominente Mönchengladbacher an.

Reizvolle Höschen, zartgewebte Büstenhalter und im Schaufenster ein Schützenfest-Plakat. Klarer Fall: In Korschenbroich wird Unges Pengste gefeiert. Und selbst das Unterwäsche-Geschäft Leufen, das erste Haus am Paradeplatz vor der Kirche, hat sich seit Tagen schon werbend in das Festgeschehen eingereiht. Mithin haben es die Korschenbroicher Bruderschaften St. Sebastianus und St. Katharina ein kleines bisschen auch den Dessous zu verdanken, dass an diesem Pfingstwochenende zehntausende Menschen mit ihnen die große Kirmes-Sause feiern.

Menschen wie Marina Ritter-Scheydt. Die 53-Jährige ist mit drei Freundinnen aus Aachen gekommen. Das Quartett steht am Pfingstmontag gegenüber der Ehrentribüne, genießt die Sonnenstrahlen ebenso wie die Königsparade zu Füßen der Pfarrkirche St. Andreas. "Ich habe hier früher mal gewohnt und kann so gleich auch mal wieder die Stadt besuchen", sagt die Heimkehrerin.

Gelegenheit, alte Bekannte zu treffen, gibt's genug. Es ist rappelvoll, dicht gedrängt sitzen die Zuschauer auf der Tribüne, stehen sie hinter den Absperrgitter, und -seilen entlang der Sebastianusstraße. Gegenüber auf der Ehrentribüne schwitzen die besondere Gäste und hochdekorierte Schützen in ihren dunklen Anzügen in der kräftigen Mittagssonne. Die Reihe der schwarzen Einzylinder muss eiserne Disziplin wahren. Hinsetzen ist weder erlaubt noch möglich. Wer ganz dringend mal weg muss, tut gut daran, nicht zu lange dem Platz fern zu bleiben. Ein Reglement, dem sich auch Mönchengladbachs Oberbürgermeister Norbert Bude in der Nachbarstadt ehrengästehalber unterwirft.

Pünktlich um halb eins geht es los: Zu Marschmusik ziehen fast 1000 Schützen und mehr als 300 Musiker in bunten Uniformen über die Straße. "Ein Augenschmaus" ruft ein Zuschauer von ganz hinten, als einige Schützen mit riesigen Hörnern voller Blumen vorbei kommen.

Eine alte Frau im Rollstuhl wird ganz nach vorne an die Absperrung gerollt. Die Umstehenden treten zur Seite. Die siebenjährige Anna schiebt sich geschickt an den Erwachsenen vorbei zur Absperrung. "Am meisten freue ich mich auf die Pferde", sagt sie. Und macht große Augen als vier Reiter auf ihren Schimmeln vorbei traben.

Wer sich nicht fürs Florale und für Rösser interessiert, hat trotzdem seinen Spaß. Wenn die Schützen an ihren beiden Königen Andreas Albani und Gottfried Weeger und an ihren Peter Schlösser und Marc Venten vorbei kommen, ist Stechschritt gefragt. Preußisch stramm aus der Hüfte geschleudert, mit leicht gesenktem Steiß mehr aus dem Knie gearbeitet und mit zaghaft knapp über Pflasternarbe gehievten Hacken — was Stechschritt ist, wird offensichtlich recht unterschiedlich interpretiert. Wer's besonders schön macht oder besonders lange durchhält bekommt Szenenapplaus von den Rängen.

Die meisten Zuschauer halten lange durch — erst kurz nach drei Uhr ist die Parade beendet. "Aber es war toll, vor allem die vielen Blumen fand ich sehr schön", sagt Ingrid Maier aus Neuss. Wie oft sie mit ihrem Mann schon bei Unges Pengste war? "Zum x-ten Mal."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Unges Pengste 2009: Das war die Königsparade

(RP)