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Korschenbroich: Der Alte Friedhof bleibt ein Ort der Erinnerung

Korschenbroich : Der Alte Friedhof bleibt ein Ort der Erinnerung

Mitten im Wohngebiet – zwischen Schule, Notariat und Eisdiele – liegt der Alte Friedhof. Seine Mauern sind über 150 Jahre alt und gut erhalten.

Mitten im Wohngebiet — zwischen Schule, Notariat und Eisdiele — liegt der Alte Friedhof. Seine Mauern sind über 150 Jahre alt und gut erhalten.

Gerade mal 18 Jahre alt ist Johann Hoster aus Neersbroich geworden. Warum er so früh starb, ist nicht überliefert. Nur soviel ist bekannt: Als er am Pfingstmontag im Jahre 1823 in Begleitung der beiden Schützenbruderschaften beigesetzt wurde, war seine Beerdigung die erste auf dem neuen Friedhof an der Pescher Straße.

Vermutlich war der St.-Andreas-Bongert, wie der ehemalige Kirchhof an der Pfarrkirche St. Andreas im Volksmund hieß, zu dieser Zeit ziemlich gut belegt. Mit dem freien Feld an der Pescher Straße hatte man einen würdigen Platz für einen neuen Friedhof gefunden. Mehr noch: Mit seiner Lage entsprach er auch der Reform des Friedhofswesens, die Napoleon I. während der französischen Besatzungszeit 1804 auf den Weg gebracht hatte. Friedhöfe, so hieß es dort, sollten außerhalb des Ortskerns angelegt werden, damit ausfließende Leichengifte oder Verwesungsdünste die Gesundheit der Bevölkerung nicht beeinträchtigten.

Doch keine 120 Jahre vergingen, bis auch dieser Friedhof zu klein wurde. Der Waldfriedhof trat 1940 an seine Stelle, und der Alte Friedhof wurde später zum Park umgewidmet. Aber unter Sommerlinden, Japanischen Schnurbäumen und Buchen und umrahmt von Schneeglöckchen erinnern vereinzelte, in den Boden eingelassene Grabplatten immer noch an seine frühere Nutzung: "Bis vor zwanzig, dreißig Jahren haben Angehörige Blumen an die Grabsteine oder auf der Wiese niedergelegt", erzählt Ralf Heinrichs, Vorstandsmitglied der St.-Sebastianus-Bruderschaft.

Die beiden Korschenbroicher Bruderschaften haben eine besondere Beziehung zu dem Alten Friedhof. "Verantwortung übernehmen heißt auch, dass wir uns engagieren", betont Ralf Heinrichs. Das haben die Schützen getan, als sie 2007 die verstreuten Grabsteine der Korschenbroicher Priester zu einer Grablege aufgestellt und mit einer Eibenhecke eingefasst haben. Als ein Jahr später das Gerücht aufkam, die Friedhofsmauer solle abgerissen werden, waren es neben den Anwohnern die Schützen, die dagegen protestierten. "Eine so gut erhaltene Friedhofsmauer von dieser Länge findet man heute kaum noch in der Region", betont Ralf Heinrichs.

Immerhin 600 Taler hatten die Korschenbroicher im Jahre 1859 gespendet, um den Friedhof mit eben jener Mauer einzufrieden. Nachdem der Alte Friedhof im 19. Jahrhundert zweimal erweitert wurde, kam nach dem Ersten Weltkrieg der Ehrenfriedhof hinzu. Die fünf Gedenkplatten und 30 Kreuze, die an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs erinnern, hatten die Bruderschaften im Jahr 2006 aufwendig restaurieren lassen.

Unter den Gefallenen fällt der Name Schmitz besonders häufig ins Auge. Ralf Heinrichs, auch Archivar der Sebastianus-Bruderschaft, weiß um einige Schicksale hinter den Namen: "Im Jahr 1913 war Hermann Schmitz, Malermeister von der Engbrück, noch König der St.-Sebastianus-Bruderschaft. Vier Jahre später, 1917, waren drei seiner Söhne gefallen." So lädt der Alte Friedhof nicht nur zum Flanieren ein, sondern er bleibt auch ein wichtiger Ort der Erinnerung.

(RP)