Korschenbroich: Comeback der Raffael-Putten

Korschenbroich : Comeback der Raffael-Putten

Im Korschenbroicher Kulturbahnhof zeigt eine Ausstellung historische und zeitgenössische Werke mit Engelsmotiven. Sie bietet einen Einblick in eine Jahrtausende alte Faszination.

In der Adventszeit sind Engelsfiguren allgegenwärtig. Die am kommenden Sonntag beginnende Engel-Ausstellung im Korschenbroicher Kulturbahnhof weist jedoch entschieden über diesen dekorativen Aspekt hinaus. In einer spannenden Gegenüberstellung konfrontiert Museumsleiterin Dr. Rita Mielke-Küsters die Arbeiten zeitgenössischer Künstler mit Exponaten aus der weltweit größten, kulturhistorischen Engel-Sammlung.

"Das Spannende am Thema Engel ist, dass es sich durch die Menschheitsgeschichte zieht. Vom frühen Christentum bis heute ist es mit vielen Vorstellungen behaftet", betont die Museumsleiterin. Zurzeit beobachtet sie eine neue Welle der Raffael-Putten und Schutzengel und damit eine zunächst überraschend anmutende Entwicklung in einer zunehmend säkularisierten Zeit.

Doch der Wunsch nach Schutzengeln spiegele etwas sehr Menschliches, sei Ausdruck von Befindlichkeiten, so Rita Mielke-Küsters. Dafür steht der Untertitel der Ausstellung "Bilderwelten der Seele." Ausgerechnet in Engelskirchen lagern rund 80 000 Exponate in der privaten Sammlung Johann Fischer, aus der die Ausstellung etwa 80 Werke zeigt.

Die Sammlung birgt Engel in jeglicher Form, etwa balinesische Engelsfiguren — glänzende Prunkstücke, die im 19. Jahrhundert in Mode kamen. Und einen steinernen Friedhofsengel mit der Patina von Kerzenruß. Erstmals setzt Mielke-Küsters im Kulturbahnhof auf die Zusammenarbeit mit der Korschenbroicher Künstlergruppe "KiK" und deren Moderator Robert Jordan.

Acht Mitglieder verschiedenster Kunst- und Ausdrucksformen sowie die Korschenbroicherin Ursula Krames stehen stellvertretend für eine zeitgenössische Auseinandersetzung. Jessica Zugehör malte steinerne Friedhofsengel in Ei-Tempera — fast realistisch, doch mit ausgekratzten Spuren als Zeichen der Vergänglichkeit. Die Arbeit am Thema habe sie berührt und ein Gefühl der Ruhe gegeben, bekennt sie rückblickend.

Gisela Schmachtenberg-Scherlitzki vollendete eine Steinfigur, die schon länger darauf "gewartet" hatte. Im hauchzarten Kontrast zum Stein stellt sie den "Flugversuch" eines Engels dar, der sich noch nicht lösen kann. Ebenso vertraut mit dem Thema ist Jacqueline Glükler. In einem Gestell lässt sie zwei Glasflügel und einen Spiegel schweben. Wer sich richtig hinstellt, sieht sich mit Engelsflügeln. Denn die Künstlerin ist überzeugt: In jedem ist ein Engel. Man muss nur genauer hinsehen.

(RP)
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