Cityring-Chef in Korschenbroich: Bedrohter Einzelhandel auf dem Land

Cityring Korschenbroich: Bedrohter Einzelhandel auf dem Land

Cityring-Chef Christoph Kamper muss einen dreifachen Anprall aushalten: Großstadtnähe, Einkaufs-Erlebnis-Center und das Internet. Doch für die Zukunft des Einkaufs in der Kleinstadt ist der Einzelhändler nicht ohne Zuversicht.

Von Friedhelm Ruf

Der Einzelhandel in Korschenbroich muss kämpfen. Mindestens dreifach ist der Anprall anderer Begehrlichkeiten: von der nahen Großstadt Mönchengladbach, von den Einkaufs-Erlebniscentern in Mönchengladbach, Neuss und Oberhausen und natürlich vom Dschungel der Überangebote des Internets. Doch vor all dem ist Christoph Kamper nicht bange. Er führt in vierter Generation das Geschäft „Schuh Kamper“. Gleichzeitig ist er Vorsitzender des City Rings Korschenbroich, eine Gemeinschaft von Geschäften.

Doch welche Chancen hat der Einzelhandel im dörflichen Charakter einer kleinen Stadt tatsächlich, etwa durch die Konkurrenz der naheliegenden Großstadt. „Als ich 1991 im väterlichen Geschäft angefangen habe, war das größte Problem die naheliegende Großstadt. Sonntags bin ich mit meinen Eltern nach Mönchengladbach und Rheydt gefahren. Dort haben wir über das Überangebot gestaunt.“ Die Jahre gingen ins Land, das Schuhgeschäft blieb bestehen trotz großer Konkurrenz, die auf einmal für Christoph Kamper keine mehr ist. „In Mönchengladbach hat eine starke Filialisierung stattgefunden, es gibt kaum noch Inhaber geführte Geschäfte.“ Mit den Filialen größerer Häuser einher gehe der Verlust von Beratung und Qualität. „In Korschenbroich habe ich mich auf qualitätsvolle Marken konzentriert, aber auch auf Kommunikation mit den Kunden. Meine Mitarbeiter lesen morgens die Zeitung, sie sind nicht nur über Schuhe informiert.“ Da die Beratung, das „Sich Zeit nehmen“ für den Kunden, an erster Stelle stehe, „kommen Kunden aus den umliegenden Städten gerne“.

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Ein weiteres Bedrohungspotential bieten Einkaufs-Erlebniscenter wie etwa das Minto in Mönchengladbach. „Das ist kaum meine Zielgruppe. Vor allem sehr junge Menschen kaufen dort, die alten Menschen machen das oft nicht. Sie schauen nur dem Treiben zu.“ Doch tatsächlich „erzählen 80 Prozent der Leute gerne.“ So gebe es in kleinen Geschäften auf dem Land neben der guten, individuellen Beratung auch eine soziale Verbindung. „Wir sagen gerne Einkaufen bei Freunden.“

Und das Internet? Diese Bedrohung wertet Kamper als gewaltig, allerdings macht er mit, um Schneisen im Internetdschungel zu schlagen. „Ich bespiele die sozialen Medien, bin auf Facebook vertreten und natürlich seit einem Jahr auch auf Instagram.“ Im weltweiten Datennetz gehe es in erster Linie um Kundenbindung und Information über laufen, gehen und Schuhe. „Wir bleiben stationär an der Steinstraße.“ Doch gelte das nie alleine. „Wir brauchen die anderen Geschäfte, um Vielfalt anbieten zu können. Darunter ist auch eine Buchhandlung: als Kulturkaufhaus und daher im Mix des Einzelhandels besonders wichtig. Problematisch ist für den City-Ring-Chef weiterhin das Hannencenter. „Es ist nach innen gebaut und nimmt an der Zentralität der anderen Geschäfte kaum teil.“

Auch wenn er um die Gefahren weiß, kann Christoph Kamper nicht jedem seiner Cityring-Mitglieder vermitteln, dass sie sich ändern müssen, damit alles so bleibt. „Manches Schaufenster ist aus den 1950er Jahren, mancher Teppich ist fleckig geworden. Doch wir brauchen ein gutes Erscheinungsbild, kompetente Mitarbeiter und die Überzeugung für diese Stadt. Anderswo möchte ich nicht leben.“

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