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Besonderer Garten im Seniorenhaus Korschenbroich

Korschenbroich : Die Arbeit im Garten weckt bei den Bewohnern Erinnerungen

Ehrenamtler Arno Noske arbeitet im Garten des Korschenbroicher Seniorenhauses mit Demenz-Patienten. Die Arbeit weckt bei den Bewohnern Erinnerungen an längst vergangene Tage.

Der kleine Park im Innenhof des Seniorenhauses Korschenbroich präsentiert sich aktuell von seiner idyllischsten Seite: Rasen und Sträucher leuchten sattgrün, die Platanen tragen frisches Laub, hier und da setzen Blühpflanzen in Terrakotta-Kübeln farbige Akzente. Die meisten davon hat Arno Noske bepflanzt. Seit Oktober 2017 lädt der 77-jährige Ehrenamtler die Damen und Herren des Wohnbereichs „Wäldchen“ im Seniorenhaus einmal wöchentlich zur Gartengruppe. Zwischen fünf und sieben meist weibliche Teilnehmer folgen der Aufforderung im Schnitt, berichtet Katrin Schraven, die im Haus den Sozialen Dienst leitet.

Rosa Fuchsien und blau blühende Männertreu ordnet Arno Noske gerade im Blumentopf an. Doch als er eine üppige Begonie dazwischen setzen möchte, schreiten die Damen ein: „Das ist zu viel“, findet Trude Dengler und erhält Zustimmung von Inge Schmiedel: „Das wirkt überladen.“ Die beiden sind jeden Dienstagnachmittag mit von der Partie, wenn sich die Gartengruppe erst zu einer gemütlichen Tasse Kaffee zusammensetzt und anschließend die Verschönerung des Parks in Angriff nimmt. In der Gartengruppe sind keine anstrengenden Einsätze wie Beete umgraben, Sträucher versetzen oder Bodenbearbeitung in stundenlanger gebückter Haltung gefragt. Die Aufgabe der Bewohner ist eine beratende. „Vor allem wollen wir einen Anlass schaffen, dass die Bewohner ins Freie gehen und frische Luft schnappen“, erklärt Ulrike Müller, Mitarbeiterin des Sozialen Dienstes. „Blumen sind ein tolles Thema: Sie machen nicht nur Freude, weil sie schön anzuschauen sind, sondern wecken positive Erinnerungen“, sagt Katrin Schraven. Erinnerungen an die Kindheit im elterlichen Garten etwa. Oder den Brautstrauß aus rosa Nelken. „Darüber hinaus geben Blühpflanzen Hinweise auf die aktuelle Jahreszeit: Krokusse und Tulpen im Frühling, Fuchsien und Sonnenblumen im Sommer, später im Herbst dann Astern“, ergänzt Ulrike Müller einen Aspekt, der für Demenzpatienten besonders bedeutsam ist. Und was macht die Gartengruppe im Winter? „Dann werden dicke Jacken angezogen oder bei sehr schlechtem Wetter drinnen weihnachtliche Deko aus Tannenzapfen und Zweigen gebastelt“, berichtet Arno Noske.

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Apropos Sonnenblumen: „Vor einigen Tagen haben wir die Kerne ausgebracht“, sagt Arno Noske und zeigt die ersten Sprösslinge in handlichen Blumentöpfchen vor. Seit etwa 15 Jahren ist der ehemalige Versicherungs-Mitarbeiter und Hobby-Gärtner schon ehrenamtlich im Seniorenhaus Korschenbroich tätig. Und als einer von wenigen Ehrenamtlichen leitet er eine Beschäftigungsgruppe allein, ohne Unterstützung von Betreuungsassistenten. Er regt die Damen an, aufzustehen, mal eine kleine Harke in die Hand zu nehmen oder ihre Meinung zu äußern und stößt das eine oder andere Gesprächsthema an, über das sich die Runde am Tisch dann austauscht. Wie das anstrengende Wäschewaschen vor 50 Jahren. Entsprechend sind Katrin Schraven und Ulrike Müller voll des Lobes: „Herr Noske ist ein wunderbarer, sehr liebevoller Ehrenamtler mit viel Herz, der unter den Bewohnern gute Laune verbreitet und uns auch bei Festen oder Ausflügen immer wieder unterstützt.“ Und etwa am Abend eines besonders heißen Tages noch mal eben mit dem Rad vorbei kommt, um seine Blumen mit der Gießkanne zu wässern.

Am Ende der Stunde hat Arno Noske drei Töpfe hübsch bepflanzt. Bewohnerin Margret Knüpfer hat zum ersten Mal an der Gartengruppe teilgenommen. Sie will wiederkommen, das steht fest.

(NGZ)