Korschenbroich: Ausstellung erinnert an Bombennacht vor 75 Jahren

Korschenbroich: Ausstellung erinnert an Bombennacht vor 75 Jahren

In einer Gedenkstunde wurde an den verheerenden Angriff im Mai 1943 erinnert. Zeitzeugen berichteten jetzt, was damals geschah.

Passend zur Ausstellung im Museum der Heimatfreunde Glehn gab es am Samstagvormittag eine Gedenkstunde: Vor genau 75 Jahren war das Rathaus durch einen Bombenangriff der Alliierten getroffen und schwer beschädigt worden.

Drei Glehner, nämlich Wilhelm Bosch, Jakob Lenders und Peter Stock starben, mehr als 150 Häuser wurden beschädigt, viele Fensterscheiben waren zu Bruch gegangen, darunter auch die Verglasung der Pfarrkirche. Zur Gedenkstunde am vergangenen Samstag gehörten unter anderem Zeitzeugen.

Professor Dr. Wolfgang Bicks kann sich beispielsweise bis heute an die Bombennacht in Glehn erinnern. Der Sohn des damaligen Glehner Landarztes Eduard Bicks hatte die drei Totenscheine für Wilhelm Bosch, Jakob Lenders und Peter Stock ausgestellt. Die Katastrophe fand außerdem ausgerechnet an dem Tag statt, an dem Wolfgang Bicks mit einer Sondergenehmigung den Führerschein gemacht hatte: "Mein Vater war nachtblind und ich hatte ihn schon zu Patienten gebracht, als ich noch keinen Führerschein hatte", erinnerte sich der Senior, der mittlerweile in Neuss lebt, an diese längst vergangene und doch noch immer präsente Zeit.

Zur Feierstunde hatte er Fotos von damals mitgebracht - Dokumente, die zeigen, welche Zerstörungskraft die Bomben vor 75 Jahren gehabt hatten. Aber nicht nur das war schlimm, die Toten seien ihm und seiner Familie sehr gut bekannt gewesen.

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Zeitzeugin Christel Amrath (85) dagegen könnte den Termin aus gesundheitlichen Gründen nicht wahrnehmen. Als Zehnjährige hatte sie ihren Vater nach dem Bombenangriff tot für der Rathaustür aufgefunden. Auch Käthe Lenders, die im Juli 94 Jahre alt wird und die jetzt mit ihrer Tochter Ursula Götzen (68) ins alte Glehner Rathaus gekommen war, hatte in Glehn gewohnt, als es zu dem Angriff kam.

Achim Schröder, Vorsitzender der Heimatfreunde Glehn, sprach von einem "traurigen Anlass, der aber mit zur Geschichte unseres Landes gehört". Sein Credo: "Wir müssen die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg wachhalten."

Bürgermeister Marc Venten erklärte, dass heutzutage der samstägliche Probealarm lediglich daran erinnere, dass es bald Zeit fürs Mittagessen sei. "Damals", sagte Venten, "verkündeten die Sirenen Elend und Tod".

Der Angriff in der Nacht vom 25. auf den 26. Mai 1943 sei der größte Luftangriff auf Glehn gewesen. Die aktuelle Ausstellung zu diesem Thema im Museum der Heimatfreunde im alten Glehner Rathaus dokumentiert Momente jener Zeit. Sie ist noch einmal Sonntag, 24. Juni, in der Zeit von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

(NGZ)