Korschenbroich: Ausschuss enttäuscht über Seniorenhaus

Korschenbroich: Ausschuss enttäuscht über Seniorenhaus

Trotz Einladung zur Sitzung fehlte ein Vertreter des in die Kritik geratenen Altenheims an der Freiheitsstraße. Sigurd Rüsken von der Betreibergesellschaft bittet nach dem Wechsel des kompletten Führungspersonals noch um etwas Zeit.

Preiserhöhung, Baulärm, schlechtes Essen: Das Kreis-Seniorenzentrum an der Freiheitsstraße, das sich in einer großen Umbauphase befindet, hatte in den vergangenen Monaten bei seinen Bewohnern und deren Angehörigen für einigen Unmut gesorgt. Die Mitglieder des Ausschusses für Kultur, Familie, Soziales und Senioren hatten sich nun erhofft, dass ein Vertreter der Betreibergesellschaft des Seniorenhauses in ihrer Sitzung Stellung zu den Vorwürfen bezieht. Doch trotz einer frühzeitigen Einladung an die Geschäftsführung war am vergangenen Dienstagabend niemand erschienen.

Parteiübergreifend wurde betont, wie überaus notwendig ein Gespräch über die baulichen, pflegerischen und hygienischen Zustände im Seniorenhaus sei. "Eine Missachtung der Stadt Korschenbroich" sei die Nicht-Teilnahme der Geschäftsführung an der Sitzung, so Martin Kresse vom Bündnis 90/Die Grünen und nannte das Krisenmanagement des Hauses "dilettantisch". Die Reputation des Seniorenhauses sei extrem gefährdet, die Bevölkerung nehme großen Anteil an der Situation, die Stadt müsse aktiv werden. Auch der Sohn einer im Seniorenhaus lebenden Mutter war zum öffentlichen Teil der Ausschusssitzung erschienen, um nachdrücklich auf eine Klärung der Situation zu drängen.

CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Siegers musste am Tag darauf die Empörung über das Fernbleiben der Verantwortlichen aber etwas abmildern: "Es hat hinsichtlich der Einladung keine Ignoranz vonseiten des Betreibers gegeben." Zum einen habe Sigurd Rüsken, der Betriebsleiter für die Seniorenhäuser im Rhein-Kreis Neuss zügig auf einen Fragenkatalog, den Siegers ihm geschickt hatte, geantwortet. Zum anderen schrieb Rüsken, der Dienstagabend an einer Aufsichtsratssitzung teilnahm, darin auch, dass man gerne berichten würde, aber bitte in der folgenden Sitzung des Ausschusses. Die ist im Oktober.

"Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass trotzdem jetzt schon ein Vertreter Rede und Antwort steht. Denn trotz des umfangreichen Schreibens auf meinen Fragenkatalog bleiben noch einige Fragen offen", sagte Siegers. Rüsken will diese Fragen beantworten, nur bittet er um etwas Zeit. "Es ist ganz klar, dass wir mit der Situation nicht zufrieden sind. Es ist in dem Korschenbroicher Haus nicht gut gelaufen, deswegen haben wir auch das komplette Führungspersonal ausgetauscht. Nun benötigt das neue Team aber auch eine gewisse Anpassungszeit, dann werden auch unsere Antworten deutlich konkreter ausfallen", sagte Rüsken, der sich in der schriftlichen Stellungnahme lediglich zu Fragen der Verbesserung der Speisenqualität und des Pflegeentgeltes geäußert hatte.

Bis Oktober wird er indes nicht warten können, um weitere Fragen zu beantworten: Die Geschäftsführung des Seniorenhauses soll nun zur nächsten Hauptausschusssitzung am 3. Mai eingeladen werden. "Wir haben das gemeinsame Ziel, die gute Reputation, die das Haus hatte, wiederherzustellen und den Bürgern ein modernes Seniorenzentrum zu bieten. Aber dafür müssen wir die Probleme offen ansprechen", sagte Siegers.

(NGZ)