Korschenbroich: Aufregung um Baugrube

Korschenbroich: Aufregung um Baugrube

Ein Amateurforscher wundert sich, dass auf einem Grundstück in Liedberg ohne archäologische Begleitung gebaggert werden darf. Er vermutet römische Relikte auf dem Gelände. Fachleute schauen sich die Grube nun an.

liedberg Eine Baugrube an der Schloßstraße in Liedberg lässt Heinz-Walter Gerresheim, Bildhauer und Maler aus Büttgen, keine Ruhe. Nicht die Baugrube an sich, sondern das Erdreich, das dort abgebaggert wurde, interessiert ihn. Gerresheim schätzt, dass 20 Kubikmeter Quarzit abgetragen worden sind. Da Liedberg an einer Römerstraße liegt, sei es gut möglich, dass sich in dem abgetragenen Gestein Fundstücke aus römischer Zeit versteckten. Die Stadt Korschenbroich habe offenbar versäumt, dafür zu sorgen, dass Archäologen rechtzeitig hinzugezogen werden, so Gerresheims Verdacht, als er die ausgeräumte Baugrube entdeckte.

Mit wachsamen Augen

Gerresheim, ein ehemaliger ehrenamtlicher Denkmalpflege-Mitarbeiter des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), hat in den 60er Jahren in Liedberg Scherben und Glas aus der Römerzeit gefunden. Der Hobbyarchäologe verfolgt daher Bautätigkeiten in Liedberg mit wachsamem Auge. Die Ausgrabungen an der Schloßstraße gehören dazu. Er glaubt, dass es sich bei dem abgetragenen Gestein um Quarzit handelt. Material, das schon von den Römern am Liedberg abgebaut wurde.

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Gestern schaute sich Christiane Grosche-van-Crüchten von der Unteren Denkmalschutzbehörde die Baustelle an. Diese Behörde ist bei der Stadt Korschenbroich angesiedelt. "Es ist nichts Bedeutendes dort festzustellen", meinte Grosche-van-Crüchten nach der Begehung. Ob Quarzit zutage gefördert wurde, vermag sie nicht zu sagen. Versäumnisse der Stadt gebe es nicht, sagt Grosche-van-Crüchten. Das sieht auch Elisabeth Marks von dem für die Bodendenkmalpflege im Rheinland zuständigen Amt beim LVR so. Das Baugrundstück sei nicht in der Bodendenkmalliste eingetragen. Daher sei bei dem Bauvorhaben alles korrekt abgelaufen. Die Bodendenkmalliste wird von den Behörden in den Kommunen geführt und erweitert. Das Gelände des Schlosses Liedberg ist dort beispielsweise eingetragen. Für Bauvorhaben auf eingetragenen Grundstücken gilt, so Marks, dass Fachleute, Archäologen oder Geologen, jegliche Bautätigkeiten begleiten müssen.

Obwohl beim Ausbaggern keine archäologischen Fundstücke entdeckt wurden, hat sich der Architekt, der den Bau begleitet, gestern bei der Stadt Korschenbroich gemeldet. Dazu habe er den Architekten geraten, sagt Gerresheim. Um sicherzugehen, dass auf dem Grundstück an der Schloßstraße wirklich keine bedeutenden Funde einfach weggebaggert werden, schauen sich heute Gutachter vom Landschaftsverband trotz allem die Grube an der Schloßstraße einmal an.

(RP)
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