Korschenbroich: Auf den Spuren der Kelten in Liedberg

Korschenbroich: Auf den Spuren der Kelten in Liedberg

Experten der Uni Marburg und des LVR hoffen, Pfostenlöcher als Hinweis auf ein frühes Bauwerk zu finden.

Eher unscheinbar mutet der rund vier Meter tiefe Graben an, der sich durch den Liedberger Haag zieht. Rotbuchen säumen seinen Rand, und Brombeeren haben sich darin breitgemacht. Dass der Graben einen Kreis bildet, merkt man erst, wenn man an seiner Kante entlangschreitet. Doch wer ihn einst ausgehoben hat, und welche Geheimnisse er in seinen tiefen Erdschichten verbirgt, hat er bislang nicht preisgegeben. Dass es sich um eine Warte der Römer handeln könne, vermuteten Heimatforscher im 19. Jahrhundert. Später hieß es, es sei eine mittelalterliche Motte, und beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) meinte man noch 2009, Reste einer barocken Gartenanlage zu erkennen.

Doch daran glaubt beim LVR mittlerweile niemand mehr: Im Januar 2018 lässt er das Gelände wissenschaftlich untersuchen. Das bestätigte Dieter Hoffmans, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Planung und Bauordnung der Stadt Korschenbroich, auf Nachfrage unserer Redaktion. Den Stein ins Rollen gebracht haben im Frühjahr 2017 der Korschenbroicher Geologe Georg Waldmann und der Informatiker und frühere CDU-Ratsherr Friedel Herten, die sich an die Untere Denkmalbehörde und den LVR gewandt haben. Das Bauwerk wurde in der Vorzeit angelegt, lautet ihre These. Und es weise erstaunliche Parallelen mit den jungsteinzeitlichen Kreisgrabenanlagen in Stonehenge und Woodhenge in England sowie Goseck in Deutschland auf und könne ein Heiligtum der Kelten gewesen sein. Immerhin liegen Liedberg und die anderen keltischen Stätten alle in exakt einer Linie auf dem 51° Breitengrad. Und wie bei den englischen 'Henges' markiert der Zugang in den Graben auch in Liedberg jene Stelle, an der am Tag der Sommersonnenwende die Sonne aufgeht.

Argumente, die den LVR bewogen haben, im Januar weitere Forschungen anzustoßen. Jetzt steht fest, dass er dafür die Universität Marburg mit ins Boot holt. In einem ersten Schritt sollen mittels einer Rammkernsondierung tiefere Bodenschichten untersucht und Bodenproben entnommen werden. Diese Untersuchung werden Studenten der Uni Marburg durchführen. Bestenfalls könnte man auf alte Holzkohle stoßen, die sich in dem sandigen und trockenen Boden erhalten hat, hofft Waldmann. Denn deren Alter lässt sich heute mit der 14-C-Radiocarbonmethode sicher bestimmen. "Dann hätten wir eine Idee, wie alt die Kreisgrabenanlage mindestens ist", sagt er.

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Danach folgen elektromagnetische Untersuchungen. Dabei dringen elektromagnetische Wellen in den Boden ein und bilden unterirdische Strukturen ab. Ziel ist es, zum Beispiel Pfostenlöcher nachzuweisen, in denen früher Holzbalken oder Steine gesteckt haben könnten - so wie bei den englischen 'Henges'. Georg Waldmann und Friedel Herten sind überzeugt, dass es sich bei der Kreisgrabenanlage um ein bedeutendes Bauwerk handelt - vielleicht sogar um das älteste erhaltene im Rhein-Kreis Neuss.

Amtsleiter Dieter Hoffmans bleibt aber zunächst gelassen. Ob es sich tatsächlich um ein Heiligtum der Kelten handelt, müssten erst die Forschungen zeigen, sagte er. Da die Kreisgrabenanlage in einem Naturschutzgebiet liegt, ist er froh, dass die Untersuchungen ohne schweres Gerät durchgeführt werden können. Die Interessen der Naturschützer gelte es schließlich ebenfalls zu berücksichtigen.

(NGZ)
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