Korschenbroich: Auf dem Kreuzweg in St. Andreas

Korschenbroich: Auf dem Kreuzweg in St. Andreas

Im Krieg gingen die alten Tafeln in der Pfarrkirche verloren. 1956 wurden von einem Künstler neue geschaffen. Dieser folgte dem Wunsch des damaligen Pfarrers Wilhelm Grimsehl, die Darstellungen auf wenige Personen zu begrenzen.

Als die Arbeit abgeschlossen war, stand die zwölfte Station des Kreuzweges in St. Andreas in der Kritik. Eine Leimfuge schien den Leib des Gekreuzigten zu durchfurchen und bedingte unerwünschte Lichtreflexe. Der ausführende Künstler Josef Daniel Sommer erkannte darin allerdings eine besondere Dramatik im Ausdruck. Doch er hatte Verständnis für die Bedenken aus der Gemeinde und erklärte sich bereit, die Station ohne Zusatzkosten ein zweites Mal zu schnitzen. Sommer hat sein Versprechen eingelöst, wie ein Blick auf die Station "Jesus stirbt am Kreuz" zeigt. Der Leib des Gekreuzigten ist nicht durchteilt. Ein zweiter Blick aus der Distanz macht bewusst, dass die zwölfte Station ein wenig größer und im Holzton dunkler ist als die anderen Tafeln. Der Künstler hat damit also auch seine Überlegung, die neue Tafel größer zuzuschneiden als deren Vorgängerin, realisiert. Der Austausch des damaligen Pfarrers Wilhelm Grimsehl mit Künstler, Kirchenvorstand und Bistum ist belegt im Schriftwechsel, der Planung und Ausführung.

Die Gemeinde hatte zuvor über mehrere Jahre auf eine bildliche Darstellung der Passion Christi verzichten müssen. Die St. Andreas-Kirche war im Zweiten Weltkrieg stark zerstört worden. Von 1943 bis 1949 wurde der Saal der Gaststätte Steigels als Notkirche genutzt. 1955 führte Pfarrer Grimsehl erste Vorbesprechungen für einen neuen Kreuzweg in der Kirche. Am 19. August 1956 wurde die fertige Arbeit durch den Franziskanerpater Adolf Dahl geweiht. "Es fehlte das Geld, um alles sofort machen zu können", erklärt Gottfried Kempen. Seit 12 Jahren ist der pensionierte Gymnasiallehrer ehrenamtlicher Küster. Als gewissenhafter Archivar ist er mit der Historie der Pfarrkirche bestens vertraut. Kempen weiß, dass auch das Altarkreuz vom Künstler Sommer gearbeitet wurde. Es wurde bereits 1951 geweiht. Auf alten Fotos ist dokumentiert, dass das Kreuz ursprünglich hinter dem Altar stand. Erst später wurde es von der Decke hängend über dem Altar positioniert, wo es bis heute zu sehen ist. Ursprünglich waren die Kreuzbalken schlicht gehalten. Im Jahr 2000 ließ Pfarrer Alois Müller die Enden um das Motiv der Kreuzblume ergänzen. Auch bei der Gestaltung des Kreuzwegs entschied sich der inzwischen verstorbene Geistliche für eine Ergänzung. Er ließ die 14 Bildtafeln von Hans Bolten durch Rahmen einfassen.

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5.000 DM hat der aus Lindenholz geschnitzte Kreuzweg zur Zeit seiner Fertigstellung gekostet. Der Künstler gab dem Bildgrund eine leicht bewegte Struktur. Er verzichtete auf die Darstellung von Landschaft und Architektur, lediglich in der ersten Station "Jesus wird zum Tode verurteilt" ist Pilatus´ Richterstuhl sparsam angedeutet. Sommer konzentrierte die Personendarstellung auf wenige Figuren. Damit folgte er dem Wunsch des Pfarrers Grimsehl. Denn der hatte festgelegt, dass pro Station maximal zwei bis drei Personen dargestellt werden sollten - und "vielleicht auch Jesus allein". Bei den Tafeln, die zeigen, wie Christus unter dem Kreuz fällt, fokussierte sich der Künstler ausschließlich auf die eine Figur. Auf der neunten Tafel ist Christus erschöpft und gekrümmt dargestellt. Das Kreuz schwebt erdrückend über dem Körper.

Andere Szenen sind zurückhaltend gestaltet. Auf nur einen Soldaten und Jesus ist die Szene "Jesus wird seiner Kleider beraubt" zurückgenommen. Zur 14. Station hatte Grimsehl gebeten, dass zwei Figuren den Leichnam tragen sollten und nicht - wie vom Künstler geplant - nur eine. Die "Grablegung" beschließt den Kreuzweg. Wer von hier aus den Blick zum Chorraum wendet, sieht das Fenster mit der Darstellung der Auferstehung.

(NGZ)