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Korschenbroich: Auch Kirchenchorleiterin hört auf

Korschenbroich : Auch Kirchenchorleiterin hört auf

Karin Kreuels-Hülser gibt die Leitung von vier Chören der katholischen Gemeinden Korschenbroichs auf. Da Henning Dembski in einen Orden eintritt, fehlt auch ein neuer Kantor. "Intelligente Lösungen" seien nötig, um die Kirchenmusik in der Region zu organisieren, sagt Dekan Ulrich Clancett.

Andreas Bommes, Vorsitzender des Pescher Kirchenchores, will möglichst schnell wissen, wie es weitergeht. Zwar sei Chorleiterin Karin Kreuels-Hülser eine Weile krank gewesen. Dennoch, so Bommes, seien die 37 Sänger überrascht gewesen, als sie erfuhren: Ihre Chorleiterin gibt ihre Arbeit in Pesch auf. Ihr Rückzug trifft aber auch den Kirchenchor Herrenshoff und die Kinderchöre der Gemeinden Kleinenbroich und Pesch. "Angesichts der Sparmaßnahmen im Bistum ist abzusehen, dass meine Zeit da ablaufen würde", sagt die 50-Jährige. Sie habe sich zeitig neu orientieren wollen und wolle wieder als Musikschullehrerin arbeiten. Zu den unbefriedigenden Perspektiven gehörte für sie auch die Aussicht, dass es wegen des Priestermangels und der sinkenden Zahl von Gläubigen künftig vor allem an hohen Feiertagen weniger Gottesdienste mit festlicher Musikgestaltung geben dürfte. Den Männerchor Cäcilia Korschenbroich will Kreuels-Hülser weiter leiten.

Chor wartet auf Auskunft

Der Rückzug der Kirchenchorleiterin ist binnen kurzer Zeit die zweite Einbuße in der Kirchenmusik der Gemeinschaft der Gemeinden. Im Herbst vergangenen Jahres kündigte Kantor Henning Dembski an, er werde in einen geistlichen Orden eintreten und aus dem Kantordienst ausscheiden. Wie ein Ersatz für Karin Kreuels-Hülser gefunden werden kann, hofft Chor-Vorsitzender Andreas Bommes möglichst bald von Pfarrer Frank Josef van de Rieth zu erfahren. Bommes kennt zwar einen Chorleiter, der vorübergehend aushelfen könnte, und er hat auch für den Kommunionsgottesdienst in Pesch am 15. Mai den ehemaligen Chorleiter Karl-Josef Nohn gewinnen können. Doch der Pescher Sänger wünscht sich eine dauerhafte Lösung. Die RP konnte Pfarrer van de Rieth gestern für eine Stellungnahme nicht erreichen,

Das Problem, die Kirchenmusik neu zu gestalten, gibt es auf Dauer nicht nur in Korschenbroich. Stellen seien "tendenziell im Abbau", sagt Regionaldekan Ulrich Clancett. "Wenn weniger Gottesdienste gefeiert werden, braucht man auch nicht so oft einen Organisten", fasst der Jüchener eine Entwicklung zusammen, die von mehreren Faktoren getragen wird: Die Zahl der Gläubigen und Gottesdienstbesucher sinkt. Es fehlt der katholischen Kirche an Priestern. Mithin wird es wohl künftig häufiger so sein, wie es in der Osternacht in Pesch war: An hohen Festtagen gibt es nicht mehr in allen Gemeinden festliche Gottesdienste und daher auch weniger Kirchenmusik. Hinzu kommt: Der Kirche fehlt es wegen sinkender Steuereinnahmen immer mehr an Geld fürs Personal.

Bislang werde die Kirchenmusik in der Region auf vielfältige Weise organisiert, so Clancett. Neben Teilzeit- und Honorarkräften gebe es einen Anteil von Hauptamtlichen, der vergleichsweise hoch sei. "Wir sind in Deutschland gewohnt, auf sehr hohem Niveau zu spielen. In ganz Tirol gibt es nur drei fest angestellte Kirchenmusiker." "Intelligente Lösungen" seien gefragt, meint der Regionaldekan. Dazu gehöre nicht nur, dass sich mehrere Gemeinden oder Gemeinschaften von Gemeinden vielleicht Musiker und Chorleiter teilen müssten. Womöglich sei es auch sinnvoll, wenn Chöre – etwa wenn sie ohnehin Nachwuchssorgen haben – fusionierten. Langfristig sei das Ziel: "Wenn jemand hauptamtlich arbeitet, soll er mit seiner Stelle auch eine Familie ernähren können."

"Sinnvoll einsetzen"

In den vergangenen zehn Jahren haben die katholischen Gemeinden in der Region aus Spargründen den Beschäftigungsumfang von Organisten und Chorleitern beschnitten, sagt Regionalkantorin Beate Opitz. Die nunmehr 14 hauptamtlichen Kirchenmusiker in der Katholischen Region Mönchengladbach könnten aber künftig durchaus weiter beschäftigt werden, meint sie. Allerdings müssten sie sinnvoll eingesetzt werden. Opitz: "Dazu gehört auch, dass die Gemeinden eines Verbands die Gottesdienstzeiten aufeinander abstimmen, denn ein Musiker kann nicht zur gleichen Zeit in zwei Gottesdiensten sein."

(RP)