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Korschenbroich: Anschlag auf Puppentheater

Korschenbroich : Anschlag auf Puppentheater

Zwei Wohnwagen eines Puppenspielers sind am Donnerstag in Gierath ausgebrannt. Die Besitzer haben ihren gesamten Hausrat verloren. Die Polizei vermutet Brandstiftung - wie im Mai bei einem Schaustellerbetrieb in Garzweiler.

Es war ausgerechnet ein Helfer der Freiwilligen Feuerwehr, der den Brand auf dem Gierather Kirmesplatz entdeckte. Um 6.45 Uhr Donnerstag Morgen ging der Notruf bei der Feuerwehr Jüchen ein.

Zwei Wohnwagen standen in Flammen. Insgesamt waren dort fünf Wohnwagen eines Puppenspiel-Theaters abgestellt. Die 20 Feuerwehrleute waren zwei Stunden im Einsatz und konnten das Feuer löschen, bevor sie auf die weiteren Campingwagen überschlugen.

Verletzt wurde niemand, der Schaden aber geht in die Tausende. Ein Wohnwagen brannte völlig aus, ein zweiter wurde größtenteils beschädigt. Die Kriminalpolizei nahm am Morgen die Ermittlungen auf und teilte am Mittag mit: Es handelt sich wahrscheinlich um Brandstiftung.

Es war nicht der erste Brandanschlag auf einen Schausteller-Betrieb in Jüchen. Erst im Mai waren in Garzweiler ein Vergnügungsgeschäft "Pfeilwerfen" und ein Kinderkarussell eines Holzer Schaustellers abgebrannt.

Auch damals hatte es sich um Brandstiftung gehandelt, wie die Polizei gestern bestätigte. Der oder die Täter sind bis heute nicht gefasst. Und im April des vergangenen Jahres war ein Anhänger in Brand gesteckt worden, auf dem Zelte, Strohballen und eine Propangasflasche für den Garzweiler Jungschützentag lagerten.

Harald Richter kann das nicht fassen. Ihm gehören die Wohnwagen auf dem Gierather Kirmesplatz. Seit fast 30 Jahren macht er dort für mehrere Monate Station und fährt von dort aus zu Auftritten am Niederrhein. "Alle unsere Sachen sind verbrannt. Unser ganzes Hab und Gut war in den Wagen. Das bisschen, was wir noch haben, das haben wir bei uns", sagte der Puppenspieler entsetzt. "Das ist hart für uns. Aber wichtig ist, dass niemand zu Schaden gekommen ist." Einzig die Puppen und die Bühne, die in einem Laster aufbewahrt werden, sind ganz geblieben.

Harald Richter verbrachte die Herbstferien mit seiner Großfamilie (insgesamt zehn Personen) im Winterdomizil in einem Haus in der Nähe von Stuttgart. In diesen zwei Wochen standen keine Auftritte in Schulen oder Kindergärten an.

Am Morgen rief ihn sein Schwager Hans Jochen Richter, ebenfalls Puppenspieler an, und berichtete von dem Feuer. Nun kommen sie zurück, um Auftritte zu absolvieren. Aber sie wissen nicht einmal, wo sie schlafen sollen. "Das ist so, als würden Urlauber mit ihrem Koffer Wäsche nach Hause kommen, und die Wohnung ist abgebrannt", erklärt Richter.

Er schätzt den Schaden an den beiden zerstörten Wohnwagen vorsichtig auf rund 40 000 Euro. Dabei hat die Schausteller-Branche bereits heftige Einbußen zu verkraften. "Finanziell läuft es in unserer Branche im Moment sehr schlecht", bekennt Harald Richter. "Aber es muss weitergehen."

(RP)