Korschenbroich: Altenheimausbau liegt auf Eis

Korschenbroich : Altenheimausbau liegt auf Eis

Der Kreis will sich vom geplanten Ausbau seines Korschenbroicher Altenheims vorerst verabschieden. Er fürchtet eine teure Überversorgung. Denn es gibt Investoren, die an der Friedrich-Ebert-Straße ein Altenheim bauen wollen.

Die Pläne waren weit gediehen: Für gut zehn Millionen Euro wollte der Rhein-Kreis Neuss sein Altenheim an der Regentenstraße modernisieren und ausbauen. Doch nun hat es sich die Kreisverwaltung anders überlegt. Sie will die Pläne erst einmal auf Eis legen: "Im Moment hat man den Eindruck, es gibt geradezu eine Inflation solcher Pläne", begründet Landrat-Stellvertreter Jürgen Steinmetz diesen Sinneswandel.

Zur "Inflation" gehört auch ein mögliches Projekt in Korschenbroich. Auf einem stadteigenen Grundstück an der Friedrich-Ebert-Straße wollen gleich zwei Interessenten Altenpflegeplätze schaffen. Gedacht ist an einen Neubau für etwa 80 Plätze. "Wenn andere Heimträger investieren, muss der Kreis nicht noch zusätzlich tätig werden", sagt Steinmetz.

Teuer für den Kreis?

Den Kreis treiben zwei Sorgen um. Eine lautet: Gibt es ein Überangebot an Pflegeplätzen, sind manche Einrichtungen womöglich nicht ausgelastet und daher nicht wirtschaftlich zu betreiben. Heime müssten zu 98 Prozent ausgelastet sein, sagen Experten der Kreisverwaltung. Schon wenige ungenutzte Plätze würden also genügen, um die Kostenkalkulation in eine Schieflage zu bringen. Sparzwang könnte dann die Qualität der Pflege mindern. Sorge Nummer zwei: Ein Überangebot an Pflegeplätzen im Rhein-Kreis könnte Senioren aus dem Umland anlocken. Sollten diese finanzielle Hilfen brauchen, müsste das der Kreis bezahlen.

Ein hundertprozentiges Nein zum Umbau des kreiseigenen Hauses an der Korschenbroicher Regentenstraße mochte Steinmetz gestern zwar nicht aussprechen. Doch die Tendenz ist eindeutig. Werde an der Friedrich-Ebert-Straße tatsächlich ein neues Altenheim gebaut, "würde ich davon ausgehen, dass wir unsere Pläne auf absehbare Zeit nicht realisieren", sagte der Landrat-Stellvertreter.

Für die Stadt Korschenbroich hingegen sind die Investoren-Ideen an der Friedrich-Ebert-Straße interessant. Denn es geht um ein Grundstück, auf denen derzeit Büros der Stadtverwaltung und eine Halle des Stadtpflegebetriebs stehen. Die Halle ist marode, eine dringend nötige Sanierung jedoch so teuer, dass die Stadt nicht mehr in das alte Gemäuer investieren möchte. Könnte die Stadt das Grundstück an der Friedrich-Ebert-Straße verkaufen, würde das Geld in die Stadtkasse bringen. Und es würde in den ohnehin gehegten Plan passen, die Mitarbeiter von der Friedrich-Ebert-Straße in ein Technisches Rathaus umziehen zu lassen, zu dem das A-Gebäude des Gymnasiums verwandelt werden soll.

(RP)
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