Korschenbroich: Alt-Bürgermeister Graf von Spee ist tot

Korschenbroich: Alt-Bürgermeister Graf von Spee ist tot

Er war ein Macher: umsetzungsstark, selbstbewusst und dickschädelig. Gestern Morgen starb Graf von Spee im Alter von 86 Jahren.

Die Nachricht verbreitete sich gestern rasend schnell: Wilderich Graf von Spee-Mirbach ist tot. Die Korschenbroicher trauern um den Mann, der die Stadt zu dem machte, was sie heute ist. Mit dem Tod von Graf Spee geht eine Ära zu Ende: Der frühere Bürgermeister von Liedberg machte sich 1975 um die kommunale Neugliederung verdient.

Die neue Stadt brauchte einen Mann, der umsetzungsstark und dickschädelig genug war, um aus sechs Dörfern eine gemeinsame Stadt zu formen. Bis zuletzt hat Graf Spee vielfältig gewirkt. Sein letzter öffentlicher Auftritt liegt erst wenige Wochen zurück. "Graf Spee hat bis zum Schluss am öffentlichen Leben unserer Stadt teilgenommen und war ein gern gesehener Gast bei Veranstaltungen in allen Ortsteilen. Gerade für Liedberg hat er früh die Weichen gestellt, um solch ein attraktives Naherholungsziel zu werden und zu bleiben", würdigte Korschenbroichs Bürgermeister Heinz Josef Dick gestern seine Verdienste.

Wie vielen selbstbewussten Persönlichkeiten machte es Spee nichts aus, anzuecken. Genau das beendete seine politische Karriere. Denn nach einer vollkommen unangemessenen Äußerung in einer nicht-öffentlichen Ratssitzung im Januar 1986 weigerte sich Spee, sich zu entschuldigen. Der Umgang mit diesem Fehler kostete ihn sein Amt als Bürgermeister. Bis vor zehn Jahren galt Graf Spee als Eckpfeiler der CDU in Korschenbroich. Dann gab es eine weitere Zäsur: Unbeugsam und meinungsstark bis zum Schluss trat er nach 43 Jahren Parteizugehörigkeit aus der Union aus. Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen CDU-Landesvorsitzenden Jürgen Rüttgers waren der Grund. Die CDU blieb aber seine Heimat wie Liedberg.

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Spee blieb für "seine Stadt" immer aktiv. Während sich seine Frau, Dr. Brigitta Pia Gräfin von Spee-Mirbach — sie starb im vergangenen August — im Stillen für soziale und kirchliche Zwecke einsetzte, war er stets präsent: bei der Feuerwehr, den Bruderschaften und im Verein "Sport ältere Generation". 2007 gehörte er an der Seite von Willy Schellen und Alfons Kranz zu den Mitgründern der Bürgerstiftung.

Wichtig waren dem gelernten Agraringenieur aber auch die Pflege und der Schutz von Landschaft und Denkmälern. Nicht nur sein Wohnsitz Haus Fürth — ein stattliches Anwesen aus dem 15. Jahrhundert — hatte es ihm angetan. Er gründete unter anderem den Förderkreis für den Erhalt von Schloss Liedberg. Als Ehrenbrandmeister von Korschenbroich bezeichnete er sich als "Freund der Feuerwehr". Der Träger des Bundesverdienstkreuzes und der Silbernen Verdienstmedaille der Stadt Korschenbroich sammelte nicht nur Geld. Er packte auch selbst mit an, als es darum ging, die Schlossmauern vor dem Verfall zu retten. Sein Wort hatte im Beirat zur Erhaltung des historischen Ortskerns Liedbergs Gewicht. Selbst die, die sich über ihn geärgert haben, verneigen sich vor seiner Lebensleistung.

(RP)
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