Korschenbroich: Ärger über Raser auf der neuen B230

Korschenbroich: Ärger über Raser auf der neuen B230

Die Bundesstraße zwischen Holzheim und Liedberg ist wieder für den Verkehr freigegeben. Doch: Autofahrer wie Achim Jülicher beobachten immer wieder brenzlige Situationen. Er fordert deshalb Tempolimits und Überholverbote.

Gerade erst für den Verkehr freigegeben, hagelt es bereits Kritik an der in weiten Teilen neu gestalteten Bundesstraße 230: So bemängelt Berufspendler Achim Jülicher, der die Strecke regelmäßig fährt, die Sicherheit auf der Straße, die auf beiden Seiten durch den Wegfall der Seitenstreifen schmaler geworden ist. "Oft ist es so, dass man in Wagenkolonnen auf der Strecke unterwegs ist. Ich habe es bereits mehrfach erlebt, dass Autofahrer mehrere Fahrzeuge auf einmal überholen, obwohl sie den Streckenabschnitt gar nicht richtig einsehen können", erzählt Jülicher, der von mehreren brenzligen Situationen berichtet, in denen ein Ausweichen aufgrund der fehlenden Seitenstreifen kaum möglich gewesen wäre. Er fürchtet schwere Unfälle und fordert ein Tempolimit von 70 Kilometern pro Stunde für den gesamten Streckenabschnitt zwischen Liedberg und Holzheim sowie mehrere Überholverbotszonen.

Warum die Seitenstreifen entfernt worden sind und wieso über viele Monate an der Bundesstraße gebaut wurde, ist vielen Bürgern schleierhaft. Manche sprechen von einer "Vernichtung der Infrastruktur" oder von "Verschwendung von Steuergeld". Viele Monate hatten Autofahrer Umleitungen in Kauf nehmen müssen; die Arbeiten hatten sich deutlich verzögert. Auch in Anbetracht dessen ärgert sich Achim Jülicher über die aus seiner Sicht jetzt schwierigere Verkehrssituation auf der wichtigen Verkehrsachse. Er hat seinem Ärger Luft gemacht und ein Schreiben an den Landesbetrieb Straßen NRW geschickt, der prompt zu den Vorwürfen Stellung bezieht und allgemein erklärt, warum die Arbeiten aus Sicht von Straßen NRW nötig gewesen waren.

"Die Notwendigkeit zur Sanierung ergab sich daraus, dass im Bereich der Deckschicht in der Vergangenheit immer wieder verstärkt Querrisse vorhanden waren", erklärt Christoph Jansen, Leiter der Regionalniederlassung Niederrhein bei Straßen NRW und sieht eine Ursache für den Verschleiß der Fahrbahn im zunehmenden Schwerverkehr. In Bezug auf die Baumaßnahme schreibt er, dass sie baulich noch nicht abgeschlossen sei und dass sie sich derzeit in "Winterpause" befinde. "Durch entsprechende Baustellenbeschilderung wird auf die fehlende Markierung hingewiesen, es wurde eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Kilometern pro Stunde sowie ein Überholverbot aufgestellt." Zu den gefährlichen Überholmanövern, die immer wieder auf der Bundesstraße 230 zu beobachten sind, schreibt Jansen: "Die Überholvorgänge haben wir intern thematisiert. Sich hieraus ergebende Maßnahmen wie Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Überholverbote für den Endzustand nach der Baumaßnahme werden wir zeitnah mit der zuständigen Verkehrsbehörde und der Polizei besprechen."

Grundsätzlich sei die jeweilige Verkehrsbehörde zuständig. So könne der Landesbetrieb nicht einfach Verbotsschilder aufstellen. Im selben Schreiben verteidigt Jansen die Baumaßnahme inklusive Rückbau der Seitenstreifen: "Die ursprüngliche Querschnittaufteilung entsprach nicht mehr dem Stand der Technik. Der überbreite Querschnitt ist zudem nicht mehr richtlinienkonform und führte in der Vergangenheit zu einem auffälligen Unfallgeschehen bei Überholmanövern." Jansen gehe davon aus, dass die Verkehrssicherheit durch den schmaleren Querschnitt erhöht werde, da das Geschwindigkeitsverhalten der Fahrer auf zweistreifigen Straßen außerorts maßgeblich von der Fahrbahnbreite beeinflusst werde. Zudem seien etwa Radfahrer durch den von der Straße getrennten Radweg sicherer unterwegs.

Achim Jülicher beobachtet Anderes. Er fordert Sicherungsmaßnahmen und berichtet von "notorischen Rasern". Er möchte sich vorbehalten, gegen einzelne Verantwortliche im Falle eines Unfalls auf der B 230 Strafanzeige zu stellen.

(cka)