Korschenbroich: Abschied vom treuen Metzger-Gesellen

Korschenbroich: Abschied vom treuen Metzger-Gesellen

Karl-Heinz Ropertz kam in seinem dritten Lehrjahr zur Fleischerei Erkes in Glehn. Das war vor 48 Jahren. Heute ist sein letzter Arbeitstag. Metzgermeister Udo Erkes kennt der heute 63-Jährige bereits seit dessen früher Kindheit.

Das Foto über dem Schreibtisch von Metzgermeister Udo Erkes (47) ist leicht vergilbt. Zwei Personen sind darauf zu sehen: Ein etwa einjähriger Junge, der in einer gelben Plastikwanne sitzt, und ein Jugendlicher, der die Wanne hochhebt. Wann das Foto gemacht wurde, weiß Udo Erkes nicht so genau. "Vermutlich 1971", schätzt er. Der kleine Junge ist er selbst, und der Jugendliche ist Karl-Heinz Ropertz. Er ist Metzgergeselle, kam 1969 im dritten Lehrjahr zur Fleischerei Erkes und ist sein ganzes Berufsleben dort geblieben. Heute ist Karl-Heinz Ropertz 63 Jahre alt. Nach insgesamt 49 Dienstjahren, davon 48 Jahre bei Erkes, geht er Ende des Monats in den Ruhestand.

"Natürlich gönnen wir ihm den Ruhestand", sagt Udo Erkes. Doch man merkt ihm und seiner Frau Birgit schon jetzt an, dass sie ihn vermissen werden. "Er kennt mich länger als ich ihn. Er gehört zur Familie dazu", erzählt Udo Erkes. "Wir haben Hochzeiten und Geburtstage zusammen gefeiert und auch bei traurigen Anlässen zusammengehalten." Nur gegen ein Gerücht, das sich hartnäckig hält, wehrt er sich: Dass Karl-Heinz Ropertz seinem späteren Chef auch mal die Windeln gewechselt habe. Für den Metzgergesellen geht ein langer Lebensabschnitt zu Ende: Er hat zehn Lehrlinge ausgebildet; er kann sich noch an die Großeltern von Udo Erkes erinnern und daran, dass das Ladenlokal drei Mal umgebaut wurde und nach und nach Schlachthaus, Kühl- und Gefrierhaus und zuletzt eine Reifekammer hinzukamen. "Früher war hier noch der Garten", sagt er und zeigt über den Hof.

In 49 Jahren habe sich auch das Berufsbild des Metzgers verändert, blickt Karl-Heinz Ropertz zurück: "Der Beruf befindet sich im Umbruch - er ist vielfältiger und anspruchsvoller geworden." Vieles werde aber auch durch Maschinen erleichtert, und der Beruf des Metzgers sei heute kein Knochenjob mehr. Während es früher mit Schinken- und Blutwurst, Panhas und Salami nur eine beschränkte Auswahl gegeben habe, sei die Angebotspalette mittlerweile deutlich breiter.

Für Karl-Heinz Ropertz ist der Metzger zu einem Fleischveredler geworden. Aber er ging stets mit der Zeit: Im Jahr 2010 hat das Feinschmecker-Magazin seine Jagdwurst zur besten in Nordrhein-Westfalen und viertbesten in Deutschland gekürt.

Langweilig wird es dem künftigen Rentner nicht werden. Er werde in seinem Haus werkeln und im Garten arbeiten, erzählt er. Mit seiner Frau möchte er zum Angeln nach Ostfriesland fahren und später Fernreisen machen. Im Laufe des nächsten Jahres stehen auch zahlreiche Termine an: Karl-Heinz Ropertz, der in Neersbroich aufgewachsen ist und in Giesenkirchen wohnt, ist Schützenkönig in Düsseldorf-Niederkassel. Selbstredend, dass seine Kollegen mit ihm die Proklamation gefeiert haben und auch nächstes Jahr im August beim Schützenfest dabei sein werden. Sein letzter Arbeitstag ist am heutigen Donnerstag. "Wir sind stolz und dankbar, dass er sein ganzes Berufsleben bei uns verbracht hat. Er hat mit zu unserem Erfolg beigetragen", sagt Udo Erkes.

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE