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90 Jahre Musikkapelle Kleinenbroich: Wallfahrt nach Rom zum Geburtstag

90 Jahre Musikkapelle Kleinenbroich : Musikkapelle feiert runden Geburtstag

Ausgerechnet zum 90-jährigen Bestehen darf die Musikkapelle Kleinenbroich während der Reise der europäischen Schützengemeinschaft den Großen Zapfenstreich auf dem Petersplatz spielen. Nicht der einzige Höhepunkt im Jahr 2019.

Die Delegation für die Reise nach Rom war schnell zusammengestellt: Wenn Ende Oktober die traditionelle Wallfahrt der europäischen Schützengemeinschaft nach Italien ansteht, werden der Gruppe 30 Musiker und zehn Begleitpersonen der Musikkapelle Kleinenbroich angehören. „Ich hatte damit gerechnet, dass wir etwas länger brauchen, bis die Gruppe steht. Aber es ist schön, dass so viele mitkommen. Wer kann schon von sich behaupten, bei so etwas dabei gewesen zu sein“, sagt Stefan Fragen, Vorsitzender der Musikkapelle. Denn der Verein wird nicht nur Teil der Reisegemeinschaft sein, sondern darf den Großen Zapfenstreich auf dem Petersplatz aufführen und einen Gottesdienst am Altar im Petersdom musikalisch mitgestalten.

„Das ist das erste Mal, dass unserem Verein diese Ehre zuteil wird. Und dass diese Anfrage ausgerechnet für 2019 kam, passt wie die Faust aufs Auge“, sagt Fragen. Denn in diesem Jahr feiert die Musikkapelle Kleinenbroich ihr 90-jähriges Bestehen. „Das große Jubiläum haben wir erst in zehn Jahren, doch ein außergewöhnlicher Geburtstag ist das schon für uns“, sagt Geschäftsführer Klaus Hirnstein. Und den wird die Kapelle an mehreren Terminen gebührend feiern. Einmal wird der Verein auch spielen lassen – bei seiner Geburtstagsparty am 14. September auf dem Hülser-Hof. Das jedoch wird eine Ausnahme sein.

„Nicht zuletzt durch die Reise nach Rom werden wir dieses Jahr bis zum November keine richtige Pause mehr haben“, sagt Hirnstein. Ob Schützenfeste, Unterhaltungsmusiken oder sinfonische Konzerte – der Verein tritt regelmäßig in Korschenbroich und dem Umland auf. „Wir sind fest verwurzelt in der Stadt und der Region. Und unsere Verbindung zum Schützenwesen hat eine lange Tradition“, sagt Fragen. Dies begann schon kurz nach der Gründung, als die Kapelle 1930 unter dem Namen „Frohsinn“ die St. Sebastianus Bruderschaft Kleinenbroich bei einem Bruderschaftsfest in Büttgen-Vorst mit Marschmusik begleitete.

Feiern Geburtstag mit dem Verein: Geschäftsführer Klaus Hirnstein, Vorsitzender Stefan Fragen und Kapellmeister Matthias Hülser. Foto: Bauch, Jana (jaba)

Seine Blütezeit erlebte der Verein nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Zahl der Feste und Konzerte stetig wuchs. „Damals kamen die Mitglieder fast alle noch aus Kleinenbroich. Der musikalische Leiter Adam Kremer ging damals auch ganz gezielt im Ort auf Nachwuchssuche“, erzählt Matthias Hülser, mit 63 Jahren das älteste aktive Mitglied und heutiger Kapellmeister. Mit dem Aufkommen der Musikschulen rekrutierte die Kapelle später auch Nachwuchsmusiker aus anderen Ortsteilen und Städten. „Aktuell haben wir 35 aktive und 20 passive Mitglieder. Wir verfügen damit über einen gesunden Stamm und haben alle Instrumentengruppen gut besetzt“, sagt Hirnstein. Zudem formierte sich aus der Blaskapelle heraus die Gruppe der Korschenbroicher Alphornbläser, die ebenfalls regelmäßig auftritt.

Es werde jedoch nicht einfacher, geeignete Kandidaten für die Kapelle zu finden, sagt Hirnstein. „Wir haben aber das Glück, dass wir derzeit viel Nachwuchs durch Vorbilder in den eigenen Familien bekommen. Denn in den Achtzigerjahren hat sich ein Stamm gebildet, der heute noch besteht.“ Den jüngsten Mitgliedern, die etwa 16 Jahre alt sind, wolle man Werte wie Zusammenhalt vermitteln, fügt Fragen hinzu. Zudem lege man Wert auf gute Qualität. Und Fernreisen tragen ebenso zur Attraktivität bei. 2019 wird die Wallfahrt nach Rom hinzukommen. „Wir werden beim Zapfenstreich unter anderem vier Hymnen spielen, auch jene des Vatikans. Geübt haben wir das noch nicht“, sagt Fragen. Aber das Geburtstagsjahr hat ja auch gerade erst begonnen.