Korschenbroich: 30 Jahre Grüne: Mit Protest fing alles an

Korschenbroich: 30 Jahre Grüne: Mit Protest fing alles an

Es war für das konservativ geprägte Korschenbroich durchaus ein Kulturschock, als sich nach dem erstmaligen Einzug der Grünen in den Bundestag 1983 gut ein Jahr später in der Stadt ein eigener Ortsverband gründete.

Martin Kresse (60), seit 1999 Parteichef der Grünen in Korschenbroich, kann sich noch gut an den 26. Oktober 1985 erinnern. Damals gab es ein öffentliches Rekrutengelöbnis: 400 Rekruten waren vor Ort, 1200 Demonstranten machten ihrem Unmut Luft und mehr als doppelt so viele Polizisten waren im Einsatz.

1200 Demonstranten protestierten am 26. Oktober 1985 gegen ein Bundeswehr-Gelöbnis in Korschenbroich (l.). Ein Ausschnitt aus unserer Zeitung zeigt, wie Dirk Stratmann im selben Jahr auf einem Grünen-Flugblatt porträtiert wurde (o.r.). 2004 trat Wolfgang Houben als Bürgermeisterkandidat in Korschenbroich an (u.r.). Foto: Tressat, NN, Wiechmann

Für Martin Kresse, der sich in der Friedensbewegung engagierte, war der Widerstand gegen das Gelöbnis "eine Art Motor, der den Grünen in Korschenbroich zu vielen neuen Mitgliedern verhalf". Ganz ohne Rückhalt waren sie auch vorher nicht: Mit 9,4 Prozent war die Öko-Partei bereits 1984 in den Stadtrat gewählt worden, in dem sie seither stets in Fraktionsstärke vertreten ist. Zu den Männern der ersten Stunde zählten Berthold Tumbrink, Dirk Stratmann und der 2010 verstorbene Detlef Tuttlies. Berthold Tumbrink verließ im Zuge des 1999 bei den Grünen heftig umstrittenen Kosovo-Kriegs die Partei. Dirk Stratmann, als langjähriger Fraktionsvorsitzender gleichfalls eine der Galionsfiguren der Korschenbroicher Grünen, überwarf sich im selben Jahr mit ihnen.

1200 Demonstranten protestierten am 26. Oktober 1985 gegen ein Bundeswehr-Gelöbnis in Korschenbroich (l.). Ein Ausschnitt aus unserer Zeitung zeigt, wie Dirk Stratmann im selben Jahr auf einem Grünen-Flugblatt porträtiert wurde (o.r.). 2004 trat Wolfgang Houben als Bürgermeisterkandidat in Korschenbroich an (u.r.). Foto: Tressat, NN, Wiechmann

Seither schreiben die Grünen personelle Kontinuität groß: Wie Martin Kresse an der Parteispitze, agiert seit 1999 als unbestrittener Chef der Fraktion Wolfgang Houben (65). Während Kresse den Korschenbroicher Grünen bereits seit 1988 angehört, war Wolfgang Houben zunächst als Parteiloser seit 1994 sachkundiger Bürger, ehe er den Grünen 1997 beitrat. Mit ihren Themen konnten die Grünen vor Ort in den vergangenen 30 Jahren nicht selten punkten. "Bis Mitte der 1990er Jahre haben wir im Stadtrat Resolutionen gegen Garzweiler II initiiert, die auch von allen anderen Fraktionen getragen wurden", sagt Martin Kresse. Der damalige SPD-Vizebürgermeister Domröse habe zurücktreten müssen, "weil er als Vertreter der Stadt im Braunkohleausschuss für Garzweiler gestimmt hat", so Kresse. "Wir sind gegen den Filz der CDU angegangen", beschreibt er die Selbstwahrnehmung in der Oppositionsrolle vor dem Jahr 2000.

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Opposition kann auch Wolfgang Houben, wie der eloquente Redner bewiesen hat. Er sieht sich eher den Linken in seiner Partei verbunden, hat aber keine Scheu vor schwarz-grünen Bündnissen. 2005 war er maßgeblich am Zustandekommen der gemeinsamen Ratsmehrheit von CDU, UWG und den Grünen beteiligt. "Für die Partei war es nicht einfach", verweist Martin Kresse auf die damals geführten Diskussionen. Immerhin waren die Grünen Jahrzehnte lang gewohnt, in der Union ihren politischen Hauptgegner zu sehen. Die als "Gestaltungsmehrheit" firmierende Koalition hielt zweieinhalb Jahre lang, ehe sie an dem Streit um das Baugebiet am Neersbroicher Feld zerbrach.

Die Korschenbroicher Grünen sieht Wolfgang Houben heute als "eine etablierte Truppe, die sich ordentlich zusammengefunden hat".

(NGZ)
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