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Korschenbroich: 200 neue Arbeitsplätze in Sicht

Korschenbroich : 200 neue Arbeitsplätze in Sicht

Korschenbroichs Bürgermeister Heinz Josef Dick reagiert auf die Kritik des früheren CDU-Chefs Friedel Herten und verteidigt die Pläne der Stadt, an der Friedrich-Ebert-Straße mit Hilfe von Investoren Seniorenwohnungen zu errichten.

Korschenbroich steht mit der Friedrich-Ebert-Straße städtebaulich vor einer großen Herausforderung. Wenn Sie sich etwas wünschen könnten, was sollte mit dem 8000 Quadratmeter großen Areal passieren?

Heinz Josef Dick Die vorhandenen Gebäude bedürften dringend einer aufwendigen Sanierung, eine Halle ist sogar einsturzgefährdet und gesperrt. Deshalb ist es langfristig wirtschaftlicher, die Eigenbetriebe in ein Gewerbegebiet zu verlagern, das bisherige Gelände zu überplanen und von Dritten anderweitig nutzen zu lassen.

Sie favorisieren Seniorenprojekte entlang der Friedrich-Ebert-Straße. Ist das realistisch?

Dick In den vergangenen Jahren sind bei mir von sich aus vier Projektentwickler im Auftrag von Betreibern und Investoren vorstellig geworden, um in unserer Stadt spezielle Wohnformen für Ältere umzusetzen. Aufgrund der älter werdenden Bevölkerung fehlen bei uns etwa 100 Plätze. Dieser Standort stieß bei allen auf reges Interesse. Vor einem Jahr hat der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, die Vermarktung des Geländes zu forcieren, mit einer Seniorenanlage als Schwerpunkt.

Und weiter?

Dick In den zurückliegenden Jahren habe ich mit den vier Interessenten die Modalitäten besprochen. Zwei sind weiter stark interessiert und könnten hier im Übrigen bis zu rund 200 Arbeitsplätze neu entstehen lassen. Die übrigen Interessenten haben sich wegen der Größe der Fläche, nicht wegen der Lage, zurückgezogen.

Der frühere CDU-Fraktionschef Friedel Herten kritisiert die Pläne aufs Schärfste. Zu Recht?

Dick Nein. Doch bei allen größeren Entscheidungen in demokratischen Gesellschaften ist ein Für und Wider normal und wünschenswert. Soll das alte Haus abgerissen werden oder nicht? Soll der Verkehrslandeplatz ausgebaut werden oder nicht? Wer gute Argumente hat, braucht die Debatte nicht zu scheuen.

Aus seiner Sicht wird mit einer Altenheim-Nutzung des Geländes Friedrich-Ebert-Straße die Fürsorgepflicht der Stadt für ihre Senioren verletzt. Sind Hertens Bedenken berechtigt?

Dick Der Vorwurf ist weit hergeholt. Auf der anderen Seite der Straße liegen zum Beispiel auch Wohnungen. Auch im Rahmen des anstehenden Bauleitplanverfahrens hat der Schutz der Bevölkerung oberste Priorität. Hier braucht niemand Sorge zu haben. Selbstverständlich haben die Bürger Gelegenheit diese Planung vorab einzusehen und Anregungen vorzubringen. Hinweise gibt's im Amtsblatt.

Sind dort die erforderlichen Lärmschutzmaßnahmen möglich, ohne die nicht ohnehin schon unattraktive Optik zu verschlimmbessern?

Dick Ja. Die beiden unterschiedlichen Entwürfe, die uns die Interessenten vorgelegt haben, beweisen, dass hier städtebaulich ein attraktiver Akzent gesetzt werden kann.

Das Landesstraßenbauamt NRW hat für die Kreuzung Friedrich-Ebert-/Hindenburgstraße einen Kreisverkehr in Aussicht gestellt. Hätten ältere Menschen mit Rollatoren oder Rollstuhlfahrer dann noch die Chance, die Straße gefahrlos zu passieren?

Dick Ja, denn Kreisverkehre werden dem Standard gemäß so angelegt, dass über jeden Ast, der davon abgeht, ein Fußgängerweg führt. Dabei wird den Fußgängern Priorität gewährt. Bei breiteren Straßen kann zudem eine Fußgängerinsel in der Fahrbahnmitte liegen, damit der Wegabschnitt kürzer ist. Schon der Kreisel selbst führt dazu, dass die Fahrer mit vermindertem Tempo unterwegs sind.

Die bestehenden Gebäude, Hallen und Einrichtungen müssen durch den Investor abgerissen und entsorgt werden. Ist das beim bisher kalkulierten Verkaufspreis schon berücksichtigt?

Dick Ja. Unser Vertragsentwurf sieht vor, dies von einem Investor vornehmen zu lassen.

Mit welcher Verkaufssumme darf der Städtische Abwasserbetrieb rechnen?

Dick Wir haben eine Summe kalkuliert. Allerdings warten wir hier auf die Angebote, so dass ich die Summe zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen möchte. Die Entscheidung, ob, an wen und zu welchem Preis es verkauft wird, trifft der Stadtrat als oberstes Organ.

Auf besagtem Gelände war die ehemalige Firma Paidos angesiedelt. Müssen sich Investoren auf eine Altlasten-Sanierung einstellen?

Dick Ja. Ein Bodengutachten haben wir erstellt. Es liegt allen Interessenten für ihren Entscheidungsprozess und die Kalkulation vor. Laut Gutachten sind keine böse Überraschungen zu erwarten.

Hat Friedel Herten Sie im Vorfeld über seine Bedenken informiert?

Dick Ja. Er hat mir kürzlich ein Schreiben mit seinen Bedenken zukommen lassen.

Herr Herten war Ihr Nachfolger als Fraktionschef und Sie haben als Bürgermeister Karriere gemacht. Hat Ihr Parteikollege damit jetzt ein Problem?

Dick Friedel Herten hat mich 1999 als Fraktionsvorsitzenden abgelöst, als ich Bürgermeister wurde. Er hat mich bei der Kandidatur kräftig unterstützt.

Ruth Wiedner führte das Gespräch.

(RP/rl)