Korschenbroich: 100 Koffer für die letzte Reise

Korschenbroich: 100 Koffer für die letzte Reise

Tod und Trauer sind in unserem Alltag vielfach ein Tabu. Um so anrührender geben die Inhalte von 100 Koffern in der St. Andreas Kirche Korschenbroich ganz persönliche Antworten auf die existentielle Frage nach dem Sterben. Für die Ausstellung "Ein Koffer für die letzte Reise" wurden die seitlich stehenden Kirchenbänke ausgeräumt, so dass die Exponate das Mittelschiff einrahmen. Dr. Rita Mielke, Mitglied im Kirchenvorstand und Leiterin des Heimatmuseums, erkennt in der Ausstellung eine wertvolle Begleitung zur Fastenzeit.

Impuls zum Nachdenken

Das Projekt wurde von Fritz Roth, einem Bestatter aus Bergisch-Gladbach, als Impuls zum Nachdenken über die Endlichkeit des Lebens und die Frage nach dem Wesentlichen initiiert. Beim Rundgang ist der Betrachter konfrontiert mit dem eigenen Verhältnis zum Jenseits. Pfarrer Frank Josef van de Rieth ist fasziniert von der Idee sowie von den "Exponaten in der Gesamtheit". Ihn beeindruckt, wie die 100 Kofferpacker "das, was sie existentiell anrührt, umsetzen. Die Koffer sind liebevoll, achtsam gepackt. Wenn diese Menschen mit dieser Achtsamkeit auch leben, dann ist das großartig" bewundert der Geistliche die intensiven Aussagen.

Zu jedem Koffer stellen sich prominente und unbekannte "Reisende" in einem Steckbrief und einer Begründung für den Kofferinhalt vor. Manchmal begegnen den Kirchenbesuchern leere Koffer nach dem Motto "Das letzte Hemd hat keine Taschen". Eine 58-Jährige stellt gelassen fest: "Für meine letzte Reise genieße ich es, endlich ohne Koffer zu reisen". Ein anderer beschränkt sein Gepäck auf einen schlichten Rosenkranz. Einige Koffer sind zum Bersten gefüllt mit persönlichen Dingen, einer mit vielen Briefen als Symbole für Gedanken, Erinnerungen und Gefühle.

Als Hebamme begleitete Dorothea Heidron "über 100 Menschenkinder auf diese Welt". Vertraut mit dem Anfang des Lebens, scheint sie ebenso mit der Gewissheit des Endes versöhnt zu sein. Ihr Mann schrieb einen Meditationstext, den sie auf ihrer Beerdigung gelesen haben möchte. Auf einem kuscheligen Pullover bettete sie einen Schädel und Skeletthände mit der Geste des gelassenen Abschieds. Der Kölner Kabarettist Jürgen Becker kommentiert seinen Koffer, gefüllt mit gut sortierten Rauchutensilien, mit einem lakonischen "Wenn man stirbt, kann man auch rauchen". Nicht weit entfernt davon legte der Theologe Dr. Manfred Becker-Huberti in seinen Koffer den Rosenkranz, den ihm Papst Johannes Paul II schenkte - sein Symbol für die Hoffnung, dass "durch Christus der Himmel offen steht". Die Ausstellung ist bis 21.3. täglich zu sehen, begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm.

(RP)