Köln: Zachert will Dialog von Politik und Wirtschaft

Köln: Zachert will Dialog von Politik und Wirtschaft

Zum Thema Kunststoff traf sich NRW-Minister Pinkwart mit Firmenchefs - etwa von Lanxess und Ford.

Was der Leichtbau - also die maximale Gewichtseinsparung bei der Konstruktion - für die Zukunft der Mobilität und vor allem der Elektromobilität bedeutet, ist vielleicht nicht jedem auf den ersten Blick bewusst. "Das Thema wird aber immer wichtiger, das merken wir alle jeden Tag", sagte Britta Menze, Pressesprecherin des Vereins "Kunststoffland NRW", am Montag bei der Veranstaltung "Multi-Material-Leichtbau für die (Elektro-)Mobilität". Matthias Zachert, Vorstandsvorsitzender des Köln-Leverkusener Spezialchemiekonzerns Lanxess, betonte die Wichtigkeit von Innovation. "Ich hätte niemals erwartet, dass eine Ölwanne aus einem anderen Material als Aluminium oder Stahl bestehen würde", gestand er. Mittlerweile würden die Wannen, ein Teil im Verbrennungsmotor von Autos, teilweise eben aus Kunststoff hergestellt.

Reinhard Hoffmann, Vorsitzender von "Kunststoffland NRW", sah die Autoindustrie mit in der Verantwortung. "Leichtbau ist wichtig für die Ressourcenschonung", betonte er und pochte auf die Bedeutung des Industriestandortes NRW. "Viele Weltmarktführer" hätten hier ihre Unternehmenszentrale, dadurch entstünden Chancen für das Bundesland. Sicher ist er sich, dass es beim volkswirtschaftlichen Erfolg nicht darum gehe, "wer am Ende ein Kilo mehr verkauft". Wichtiger sei es, auf eine nachhaltige Lösung hinzuarbeiten.

Neben Vertretern aus der Industrie war auch die Politik mit Andreas Pinkwart, NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, vertreten. NRW sei der "stärkste Forschungsstandort in Europa", lobte er. Pinkwart warb für die Klimapolitik der neuen Landesregierung. Es gehe darum, Klimaziele nicht "kurzatmig" zu erreichen, vielmehr brauche es "langfristige Ziele und bessere Rahmenbedingungen, damit sich die Industrie darauf einstellen kann".

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Gunnar Herrmann, Geschäftsführung der Ford-Werke, gab sich erst einmal "irritiert vom Vortrag". Leichtbau sei kein klassisches Thema der Autoindustrie. "Vom Material her haben wir in hundert Jahren fast nichts bewegt", berichtete er, stimmte aber zu, wie wichtig das Thema mittlerweile sei. Gerade für die Elektromobilität - "je leichter ein Elektroauto, desto leichter und billiger die Batterie". Als Innovation im Bereich Leichtbau führte er das "Gorillaglas" auf. "Eigentlich darf ich nicht mehr Glas sagen, das ist Kunststoff", korrigierte er. Das Material diene als Abdeckung für Displays, werde jetzt aber auch als Windschutzscheibe verbaut.

Das Bekenntnis zum Standort NRW war Zachert wichtig. "Wir haben 1500 Mitarbeiter weltweit im Leichtbau, 500 davon in NRW", sagte er. Am Ende seines Vortrags wurde er politisch. Ein Dialog zwischen Politik und Wirtschaft dürfe nicht auf Misstrauen fußen. Es brauche Regeln und "deutliche Schritte im Wirtschaftsministerium". Die versprach Pinkwart: "Wenn wir in Berlin über Änderungen der Energiepolitik sprechen, dann muss die Industrie auch mit an den Tisch", sagte er.

(RP)