Verspäteter Mallorca-Flug mit Condor: "Wir bekamen keine Informationen"

Mallorca-Flug fast drei Tage verspätet : "Wir haben überhaupt keine Informationen bekommen"

Fast drei Tage lang saßen 162 Condor-Fluggäste mit Ziel Köln am Flughafen in Palma de Mallorca fest. Alex Rosenthal war einer der Betroffenen. Wir haben mit ihm gesprochen.

Rosenthal (27) war schon früher zurück in Köln als die meisten anderen Passagiere: Statt auf den Flug DE1539 zu warten, flog er mit einer Eurowings-Maschine zurück nach Hause. Dienstagnacht sind auch die übrigen Passagiere wieder in Köln gelandet. Der Tierpfleger aus Mechernich erzählt vom Chaos am Flughafen und wie er die Verwicklungen um Flug DE1539 erlebte.

Herr Rosenthal, wie haben sie die Situation am Flughafen in Palma erlebt?

Rosenthal Für uns Passagiere war die Situation total unübersichtlich. Wir mussten den kompletten Sonntag am Flughafen verbringen, weil der Flug von Stunde zu Stunde verschoben wurde. Erst hieß es, er startet um 10 Uhr, weshalb alle Fluggäste schon um 6 Uhr an den Hotels abgeholt wurden. Doch schon nachdem wir unsere Koffer aufgegeben haben, stand auf den Bordingpässen 11.30 Uhr als Abflugzeit.

Am Gate, kurz bevor es losgehen sollte, die nächste Überraschung: Die Anzeigetafel gab plötzlich 15.30 Uhr als Abflugzeit an. Zu diesem Zeitpunkt kippte dann auch die Stimmung. Die nächsten Stunden hat sich die Abflugzeit auf der Infotafel noch um weitere drei Male nach hinten verschoben.

Gab es denn keine Informationen vom Personal?

Rosenthal Das war ja das Schlimme: das ewige Warten, ohne zu wissen, wie lange noch und warum. Am Gate gab es zwei Infoschalter. Einer davon war unbesetzt, der andere überfüllt, weil auch ein Condor-Flug nach Düsseldorf gecancelt wurde. Letztlich hatten aber auch die Leute am Infoschalter keine Ahnung.

Es ließ sich in der ganzen Zeit nicht ein Condor-Mitarbeiter blicken, um uns mal aufzuklären. Wir mussten übers Internet aus den Medien erfahren, dass es technische Probleme gibt. Warum konnte ein Condor-Sprecher mit der Presse reden, aber nicht mit uns Passagieren? Wenn wir frühzeitig wüssten, der Flug geht erst um 1.45 Uhr in der Nacht zu Dienstag, hätte man die Wartezeit noch sinnvoll nutzen können. Aber so waren wir wirklich am Flughafen gefangen. Der Service von Condor war gleich Null.

Wie reagierten die Passagiere darauf?

Rosenthal Gemessen an der Situation blieben alle relativ ruhig. Keiner ist ausgeflippt, aber natürlich waren alle genervt und hatten schlechte Laune. Es waren ja auch Babys und Kleinkinder unter den Passagieren. Irgendwann fingen die an zu schreien, weil die Eltern nicht mehr genügend Nahrung für sie dabei hatten. Es gab auch nicht genügend Babywagen, um die Kleinen schlafen zu legen. Die Mütter mussten auf dem Boden sitzen, damit die Babys im Schoss schlafen konnten.

Meine eigene Mutter ist im Urlaub gefallen und hatte starke Schmerzen dabei, die ganze Zeit am Flughafen sitzen zu müssen. Ich selbst verpasste zwei Arbeitstage, ein Mann, mit dem ich gesprochen habe, seine Dienstreise.

Und wie wurden Sie untergebracht?

Rosenthal Die Hotels waren in Ordnung, da kann man nichts bemängeln. Blöd war nur, dass sie jeweils rund eineinhalb Stunden vom Flughafen entfernt waren. Sonntagnacht kamen wir deshalb erst um 2.30 Uhr an. Die Busfahrt dorthin war zudem ein Abenteuer.

Der Fahrer wollte die Lüftung nicht anmachen und die Fensterscheiben waren total beschlagen. Erst als Fahrgäste die Scheibe mit einem Tuch abwischten und sagten, nicht weiter fahren zu wollen, hat er die Lüftung angemacht.

Wie wollen Sie und Ihre Eltern nach dem Flugchaos vorgehen?

Rosenthal Wir sind erst einmal froh, wieder zu Hause zu sein. In den kommenden Tagen wollen wir uns aber an jemanden vom Fach wenden, der uns hilft, eine Entschädigung von Condor zu bekommen. Ich hoffe, dass sich die Fluggesellschaft dabei nicht noch querstellt.

(beaw)
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