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Unesco Weltkulturerbe: Jüdisches Viertel in Köln soll auf Vorschlagsliste

Vorschlagsliste an die Unesco : Jüdisches Viertel in Köln soll Welterbe werden

Der Landschaftsverband Rheinland würde der Jüdische Viertel in Köln mit dem Label „Unesco-Welterbestätte“ versehen lassen. Die ärchäologische Stätte sei ein „außergewöhnliches Zeugnis“ kultureller Tradition und städtebaulicher Organisation des Mittelalters.

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) und die Stadt Köln bringen das jüdisch-mittelalterliche Viertel auf dem Kölner Rathausplatz als Welterbestätte ins Spiel. Beim Land Nordrhein-Westfalen sei ein Antrag eingereicht worden, es auf die deutsche Vorschlagsliste für das Unesco-Weltkulturerbe zu setzen, teilte der Landschaftsverband am Donnerstag mit. Die archäologische Fundstätte im Zentrum Kölns, die künftig als „MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln“ präsentiert wird, stelle ein außergewöhnliches Zeugnis der kulturellen Tradition und städtebaulichen Organisation eines mittelalterlichen jüdischen Viertels dar, hieß es.

„Das Zusammenleben der jüdischen und christlichen Gemeinschaft ist in Köln durch sensationelle archäologische Zeugnisse und die schriftlichen Quellen überliefert“, erklärte LVR-Direktorin Ulrike Lubek. Der Landschaftsverband habe es sich zur Aufgabe gemacht, die Erkenntnisse der Forschungen der breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. „Der Welterbe-Status wäre die Krönung dieser Aktivitäten.“ Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) sagte, das entstehende LVR-Museum „MiQua“ sei für sie eine „Herzensangelegenheit“. „Die jüdische Gemeinde war und ist für Köln ebenso prägend wie Gemeinden anderer Konfessionen.“

Die „Kahal Kolonia“ gehörte den Angaben zufolge zu den ältesten und wichtigsten jüdischen Gemeinden nördlich der Alpen und ist seit der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts nachweisbar. In seinen Grundrissen überliefert ist ein geschlossenes Bauensemble bestehend aus Synagoge, Mikwe (Tauchbad), Hochzeitshaus, Hospital und weiteren öffentlichen und privaten Bauten. Zusammen mit zahlreichen archäologischen Funden - darunter mehr als 500 Schiefertafeln mit hebräischen Graffiti, Münzen, Fragmente der liturgischen Synagogenausstattung und Hausrat - liefern sie detaillierte Einblicke in die städtebauliche Anlage und die Inventare der Häuser sowie in die Alltagskultur jüdischen Lebens im innerstädtischen Quartier.

Der Antrag aus Köln durchläuft laut LVR nun einen länderinternen Qualifizierungsprozess. Ziel sei es, auf die nationale Vorschlagsliste zu gelangen, die bis Sommer 2023 aufgestellt werde. Erste Anträge aus dieser Liste könnten ab 2025 im offiziellen Verfahren bei der Unesco eingereicht werden.

Von weltweit über 1.100 Welterbestätten befinden sich aktuell 46 in Deutschland, davon fünf in Nordrhein-Westfalen. Dazu zählen etwa der Kölner und der Aachener Dom sowie die Zeche Zollverein in Essen.

(th/epd)