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Sturm in NRW: Orkan Friederike legt Zugverkehr lahm - Reisende stranden in Köln

Gestrandet am Kölner Hauptbahnhof : "Sowas habe ich in Köln jetzt auch noch nicht erlebt"

Orkan Friederike: Bahn stellt Zugverkehr in NRW wegen Sturm ein

Orkantief "Friederike" hat den Zugverkehr in NRW lahmgelegt. Im Kölner Hauptbahnhof halten Mitarbeiter die Leute mit Gratiskaffee bei Laune. Wann es weitergeht, ist unklar.

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Ein Erinnerungsfoto an Köln mit Selfiestick vor dem Dom? Keine gute Idee am Donnerstagmittag. Das Plastikteil wird dem japanischen Touristen von einem Windstoß aus der Hand gerissen. Er jagt ihm nach, seine Begleiterin geht in die Hocke vor Lachen. Mützen fliegen durch die Luft, manche schauen ihnen einfach nach, sogar das Atmen fällt schwer.

Orkan Friederike war mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde angekündigt worden — manch einer unterschätzt die Wucht des Sturms: Ein Mann wird die Domtreppe runtergefegt, die er trotz Absperrung auf dem Weg zum Hauptbahnhof nehmen wollte. Dann wird auch das Absperrband von einer Böe weggerissen, zwei Mitarbeiter des Ordnungsamts haben Mühe, das Flatterband wieder an sich zu reißen.

Frauen und Männer eilen so schnell es geht über den Bahnhofsvorplatz hinein in den Hauptbahnhof. Vom Sturm ruinierte Frisuren werden zurechtgezupft und Schals neu gebunden, draußen weht es die DB-Fahrräder reihenweise um. "Sowas hab ich in Köln jetzt auch noch nicht erlebt", sagt ein Mann. Auf der Anzeigetafel steht keine einzige Zugverbindung — "Bitte Ansage beachten!" steht da nur. Auf Deutsch und Englisch ertönt die dann aus den Lautsprechern: "Aufgrund von Unwetter ist der Zugverkehr in NRW auf unbestimmte Zeit eingestellt. Die Züge bleiben an den Bahnhöfen stehen und fahren nicht weiter."

Am Bahnsteig 3 steht eine ältere Frau mit einer großen Reisetasche und einem Koffer. Aus Bad Honnef hat sie es noch nach Köln geschafft, dann war Schluss. "Ich will zu meinen Söhnen nach Berlin", sagt die 86-Jährige. Um 11.48 Uhr sollte der Zug abfahren. Eine halbe Stunde später steht sie immer noch am Gleis. "Ich habe Angst, dass der Zug mir davonfährt, wenn ich jetzt runter in die Passage gehe", sagt sie.

Die 19-jährige Alica will nach Wuppertal zu ihren Eltern. Am Morgen hat sie an der Kölner Uni eine Englisch-Prüfung geschrieben. "Zur Not rufe ich meinen Vater an, damit er mich holt", sagt sie.

Unten in der Passage werden Jochen Schmidt und Mehmet Kutlu von Menschen umringt. Die beiden DB-Mitarbeiter verteilen Gratis-Kaffee und Süßigkeiten. Eigentlich sollte Kutlu um 10.55 Uhr im ICE 105 nach Basel als Zugbegleiter arbeiten. "Was soll man machen?", sagt er. Er steckt einer Frau, die keine Hand frei hat, Marzipanschokolade in die Manteltasche. Die freut sich und bedankt sich für ihren Kaffee. "Die Leute sind relativ gelassen heute", sagt Kutlu. "Aber es kann ja auch keiner was dafür, für so einen Orkan."

Sein Kollege erzählt, dass Sturmtief Burglind schon einige Bäume entlang der Strecken umgehauen hat, "mal sehen, was Friederike noch nachlegt", sagt er. Das große Chaos bleibt bis zum frühen Nachmittag aus im Kölner Hauptbahnhof. "Wir wussten eigentlich, dass nichts fährt", sagt eine Frau. "Aber irgendwie dachte ich: Kann ja eigentlich nicht sein." Viele andere sind aber offenbar gleich zu Hause geblieben. Kutlu beschreibt der Frau den Weg zum Taxistand. Wann die Züge wieder fahren, können auch seine Kollegen an den Infoschaltern nicht sagen.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn sagt: "Sobald es die Wetterlage zulässt, wird der Betrieb natürlich schnellstmöglich wieder aufgenommen." Das Personal an den Bahnhöfen sei verstärkt worden. "Reparaturtrupps stehen bereit, um möglichst schnell Sturmschäden an Oberleitungen zu beseitigen und umgestürzte Bäume aus Gleisen zu entfernen."

Oben an Gleis 3 wartet die ältere Dame immer noch auf den Zug nach Berlin. Doch am Donnerstag wird sie nicht mehr zu ihren Söhnen kommen. Die Deutsche Bahn stellte gegen 15.30 Uhr den Fernverkehr bundesweit ein. Nur Züge, die noch unterwegs waren, sollten noch versuchen ihr Ziel zu erreichen, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Die Deutsche Bahn rät, Reisen möglichst zu verschieben. Eine kostenlose Servicenummer ist unter 08000 996633 eingerichtet.

Hier gibt es das Protokoll des Tages zum Nachlesen.

(hsr)