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Solidarität in Zeiten der Corona-Krise

Nachbarschaftshilfe in der Corona-Krise : „Wir kaufen für Sie ein!“

Unter dem Hashtag „Nachbarschaftschallenge“ rufen Menschen bei Twitter dazu auf, Senioren im Alltag zu helfen. Die Stadt Düsseldorf schaltet eine Hotline, an die ältere Menschen sich wenden können. In Köln gehen Ehrenamtliche für Senioren einkaufen.

Das Coronavirus ist vor allem für ältere und chronisch kranke Menschen gefährlich. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Senioren, nahen Kontakt zu anderen zu vermeiden. In Wien ist in den Sozialen Medien in dieser Woche eine Solidaritätsaktion gestartet. Unter dem Hashtag „Nachbarschaftschallenge“ bieten viele Österreicher älteren Menschen etwa Hilfe beim Einkaufen an. Auch in Deutschland findet die Idee großen Anklang: „Solidarisch gegen Viren!“ heißt es auf Twitter oder „Menschen sind gut!“.

Der Kölner Pfarrer Sebastian Baer-Henney hat die Idee aus Wien übernommen: „Wir kaufen für Sie ein und bringen Ihnen die Sachen – so müssen Sie nicht in den Supermarkt“, twitterte er. Seine Frau Dina Baer-Henney engagiert sich auch in der Evangelischen Kirchengemeinde in Köln-Mülheim. Um die Senioren direkt zu erreichen, hat sie Dutzende Handzettel und Plakate drucken lassen. „Es ist ja nicht kompliziert zu helfen“, sagt sie. Sie hat ein altes Handy reaktiviert, über das sie nun die Anrufe der Senioren annimmt, die etwas aus dem Supermarkt oder der Apotheke brauchen.

„Die Aktion ist erst am Freitagmorgen gestartet, also wir werden sehen, ob unser Einkaufsangebot angenommen wird“, sagt sie. Ein Team ehrenamtlicher Helfer steht parat. Im örtlichen Blumenladen waren die Flyer schon nach wenigen Stunden vergriffen, wie Baer-Henney sagt. „Vielleicht greifen andere die Idee ja auch auf. Wenn eine Solidaritätswelle entstünde, wäre das richtig gut.“

Auch Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel wirbt für Nachbarschaftshilfe. „Es ist wichtig, dass wir diejenigen schützen, die besonders von dem Virus bedroht sind“, sagt er am Freitag bei einer Pressekonferenz. Stadt und Wohlfahrtsverbände hätten ein Hilfsangebot für ältere und geschwächte Menschen erarbeitet. „Wir möchten, dass die Menschen versorgt sind, ohne sich selbst einem Risiko aussetzen zu müssen“, sagt er. Dazu habe die Stadt eine Hotline eingerichtet, an die sich Senioren wenden können, wenn sie Hilfe etwa beim Einkaufen benötigen. Das Telefon ist unter 0211 / 899 89 99 zwischen 7 und 19 Uhr geschaltet, samstags bis 14 Uhr.

Für Hundebesitzer in Mönchengladbach wurde vor einigen Tagen auf Facebook eine „Gassi-Notfallgruppe“ gegründet – für alle, die in häuslicher Quarantäne sind. „Jeder kann betroffen sein, und ich finde es selbstverständlich, sich untereinander zu helfen“, schreibt die Initiatorin. „Nur so lassen sich Krisen meistern.“ Innerhalb weniger Tage haben schon viele ihre Hilfe beim Gassigehen angeboten – sogar Leute, die selbst gar keinen Hund haben.