Silvester in Köln: Ex-Polizeipräsident Wolfgang Albers kritisiert Thomas de Maizière

Übergriffe an Silvester in Köln : Ex-Polizeipräsident Albers kritisiert de Maizière

Ein knappes Jahr nach den Silvesterausschreitungen hat der damalige Polizeipräsident von Köln, Wolfgang Albers, Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ungerechtfertigte Kritik an dem Polizeieinsatz vorgeworfen. De Maizière habe einen "sehr geringen Informationsstand" gehabt.

De Maizière hatte den Polizeieinsatz in einem Interview am 5. Januar beanstandet. "So kann Polizei nicht arbeiten", sagte er damals. In der Silvesternacht waren hunderte Frauen am Kölner Hauptbahnhof von Täter überwiegend nordafrikanischer Herkunft sexuell belästigt und beraubt worden, ohne dass die Polizei sie schützen konnte.

Albers äußerte sich im aktuellen "Spiegel" erstmals seit seiner Amtsenthebung im Januar. Er moniert mangelnde Konsequenzen aus den Ereignissen: "Niemand hat Verantwortung übernommen". Er sehe sich als Sündenbock. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) habe ihm an dem Tag, als er ihm die Versetzung in den einstweiligen Ruhestand mitteilte, gesagt: "Sie brauchen sich keine Vorwürfe zu machen."

Über den Einsatz selbst sagte Albers: "Wir hatten eine fatale Erkenntnislage." Er denke bis heute darüber nach, "wann und wie man das alles noch hätte verhindern können".

De Maizière hatte sich am 31. Oktober vor dem Silvesteruntersuchungsausschuss des Nordrhein-westfälischen Landtags zu seinem Interview vom 5. Janaur geäußert. Der Bundesinnenminister sagte vor dem Landtagsgremium, ihm sei bewusst, dass die eingesetzten Beamten "unter größter körperlicher und psychischer Belastung gehandelt haben und dass sie ihr Bestes versucht haben, eine Massenpanik zu verhindern und Frauen vor weiteren sexuellen Übergriffen zu schützen".

Bei seiner Äußerung sei es ihm darum gegangen, "dass eine solche Situation in unserem Rechtsstaat nicht noch einmal eintreten darf", hob de Maizière damals hervor. "Ich kenne niemand, der auch im Nachhinein meiner Bewertung in diesem Interview in der Sache widersprochen hat."

(lsa/AFP)
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