Sigirino: Bus aus Köln verunglückt in der Schweiz - junge Frau stirbt

Schwerer Unfall : Bus aus Köln in der Schweiz verunglückt - junge Frau stirbt

Sigirino: Bus aus Köln in der Schweiz verunglückt - viele Schüler an Bord

Ein Reisebus aus Köln ist in der Schweiz auf einen Autobahnpfosten gekracht. Eine junge Frau kam dabei ums Leben. An Bord war auch eine Kölner Ministrantengruppe.

Es ist acht Uhr am Sonntagmorgen, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen dösen nach nächtlicher Fahrt im Kölner Reisebus Richtung Italien noch, als es plötzlich kracht. Wer die Bilder sieht, kann sich die Wucht des Aufpralls vorstellen: Die Fahrerkabine ist völlig zerstört. Von den Scheiben ist nichts übrig, das Lenkrad hängt im Freien. Verbogenes Metall ragt in alle Richtungen und abgerissene Kabel hängen herab. Kaum vorstellbar, das jemand lebend aus diesem Teil des Wracks geborgen werden konnte.

Zunächst teilt die Polizei im Schweizer Kanton Tessin mit, dass 15 der 25 Insassen verletzt wurden, drei von ihnen schwer. Am Abend berichten die Einsatzkräfte, dass eine junge Frau gestorben ist. Die zehn Unverletzten wurden zunächst in einer Einrichtung des Zivilschutzes betreut. Der Fahrer war nach Angaben der Polizei unter den Schwerverletzten. An eine Vernehmung sei vorerst nicht zu denken.

Der weiße Reisebus aus Köln war am Samstag gegen 22 Uhr mit den Passagieren und zwei Fahrern in Köln aufgebrochen, sagte Johannes Hübner vom Internationalen Bustouristik Verband RDA. Er übernahm für das betroffene Unternehmen die Notfall-Koordination. Der Bus sei auf dem Weg nach Assisi gewesen. Nach seinen Worten wollte die Reisegruppe mehrere Tage in Italien verbringen. Nähere Angaben zu den Insassen konnte Hübner zunächst nicht machen. Die Schweizer Polizei sprach von einer Gruppe junger Leute, etwa 16 bis 23 Jahre alt.

An Bord des Reisebusses war offenbar auch eine Kölner Ministrantengruppe. Seelsorger kümmerten sich derzeit um die Betroffenen und ihre Angehörigen, wie das Erzbistum Köln am Sonntagabend auf Facebook mitteilte. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki zeigte sich bestürzt. „In dieser schmerzvollen Stunde fühle ich mich einfach nur hilflos und finde keinen anderen Halt als Gott, dem ich alle von diesem Unglück Betroffenen anempfehle", sagte er.

Der Unfall passierte auf der Autobahn A2 in der Nähe von Sigirino im Kanton Tessin nahe des Sees Lago Maggiore, vor dem Ceneri-Tunnel. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei prallte der Bus auf einen Pfosten - offenbar gehört er zu einer Verkehrsschildanlage, die über die gesamte Breite der Autobahn gebaut ist. Der Pfosten hat den Bus bis hinter die Fahrerkabine aufgerissen. Der Bus kam aufrecht in Fahrtrichtung zum Stehen. Über den genauen Unfallhergang und die Ursache konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen. Die Ermittlungen zur Unglücksursache liefen.

Krankenpfleger Giuseppe Gulino (53) fuhr wenige Meter hinter dem Bus her, wie er der Zeitung „Blick“ berichtete. Er sei sofort zu dem verunglückten Bus gelaufen. Die Jugendlichen seien in Panik gewesen, berichtete er der Zeitung. Er habe vorn einsteigen können und den Insassen mit den Nothammer einen Fluchtweg gebahnt. „Sie standen unter Schock“, sagte er. „Einige hatten geschlafen.“ Sowohl der Fahrer als auch ein Beifahrer und eine junge Frau seien zwischen Metallteilen eingeklemmt gewesen. Es dauerte nach Angaben der Polizei mehrere Stunden, um alle Verletzten zu bergen. Die Autobahn blieb in Richtung Süden stundenlang gesperrt.

Zahlreiche Krankenwagen, Feuerwehrautos, Notärzte und Sanitäter waren im Einsatz. Der für Justiz und Polizei im Kanton Tessin zuständige Regierungsrat Norman Gobbi lobt die Rettungskräfte im Kurznachrichtendienst Twitter: „Dank an alle, von den ersten Einsatztruppen bis zum Katastrophenschutz- und Pflegeteam.“

Busreisen gelten als sicher und sind populär bei Schul- und Jugendgruppen. Ab und zu kommt es dennoch zu Unfällen. So verunglückte im Juli ein Bus mit Jugendlichen aus Dresden in Rimini in Italien. Der Doppeldeckerbus rammte mit dem Dach eine Unterführung, aber es wurde niemand ernsthaft verletzt. Im Juni 2016 kamen 41 Schüler aus dem Saarland in Lyon in Frankreich mit dem Schrecken davon, als ihr Bus von der Straße abkam und umstürzte. Im Juli 2015 wurden in Südtirol 17 Jugendliche auf Klassenfahrt aus Bremerhaven bei einem Unfall verletzt.

Anmerkung der Redaktion: Die Schweizer Polizei hatte am Sonntag zunächst mitgeteilt, dass bei dem Unfall ein Mensch ums Leben gekommen sei. Die Einsatzkräfte zogen diese Information aber später zurück. Am Abend berichtete die Polizei dann, dass eine junge Frau gestorben sei. Zunächst seien die Angehörigen informiert worden. Wir haben den Text entsprechend geändert.

(siev/wer/dpa/KNA)
Mehr von RP ONLINE