SEK Köln: Beamte mit Handschellen gefesselt

Minister Jäger legt heute Bericht vor : SEK-Skandal: Beamte mit Handschellen gefesselt

NRW-Innenminister Jäger legt am heutigen Donnerstag im Innenausschuss des Landtages den Bericht über die Aufnahmerituale beim Kölner SEK vor. So wurden etwa Beamte teilweise mit Handschellen gefesselt.

Als Indianer verkleidete Beamte eines Kölner Spezialeinsatzkommandos (SEK) müssen Tzatziki-Knoblauch-Chili-Eis aus dem Schritt eines Kollegen schlecken. Einer der SEK-Beamten übergibt sich dabei. Danach wird ihnen "eine das gesamte Gesicht bedeckende Tauchermaske übergezogen und durch einen Luftschlauch Alkohol eingefüllt" — unter anderem ein Bier-Schnaps-Gemisch. Eines der Opfer hebt "die Maske an, woraufhin eine der anwesenden Personen zunächst die Maske zurückdrückt". Teilweise werden die Beamten mit Handschellen gefesselt.

Der Bericht, den NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am heutigen Donnerstag im Innenausschuss des Landtages über die bizarren Aufnahmerituale bei dem Kölner SEK abgeben wird, dürfte zu neuen Fragen führen. Eine davon stellt Gregor Golland, Polizei-Experte der CDU im Landtag: "Passt ein solches Verhalten zu dem Menschenbild, das diese Beamten verteidigen sollen?"

Die Staatsanwaltschaft Aachen hat ihre Ermittlungen zwar eingestellt. Weil die Beamten freiwillig an dem Aufnahmeritual teilgenommen haben, sagt Jäger. Für den Minister ist der Fall damit aber nicht erledigt: "Das Verhalten ist eine Frage von Moral und Anstand und beamtenrechtlich in keiner Weise akzeptabel", schreibt er in seinem Bericht. Der "festgestellte Sachverhalt" mache "dienstrechtliche Konsequenzen erforderlich". In Frage kämen unter anderem Umsetzungen, Versetzungen "oder auch organisatorische Maßnahmen im Hinblick auf das betroffene Kommando", so Jäger. Insider munkeln, das betroffene SEK 3 des Kölner Polizeipräsidiums werde wohl aufgelöst.

Ob das genügen wird? Schließlich hat das Polizeipräsidium Köln zugleich noch mit der Affäre um ein Abschiedsfoto zu kämpfen, bei dem sich Führungsbeamte der Kölner Spezialeinheiten zum Privatvergnügen auf einem fast 80 Meter hohen Pfeiler der Kölner Severinsbrücke aus einem Polizeihubschrauber fotografieren ließen. Auch in diesem Fall ermittelt die Staatsanwaltschaft. Jägers Bericht zufolge konzentrieren sich die Ermittlungen darauf, ob die Behauptung der Beamten, der Hubschrauber habe sie im Rahmen eines anderen Auftrags nur "im Vorbeiflug" aufgenommen, zutreffend ist. Oder ob genau dieser andere Auftrag nur konstruiert wurde, um das Foto zu ermöglichen.

Dabei geht es auch um die Glaubwürdigkeit des Polizeipräsidiums. Denn auf erste Medienanfragen zu dem kuriosen Foto-Posing auf dem Brückenpfeiler hatte das Präsidium noch behauptet, es sei um eine "Höhenübung" gegangen.

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(tor)