Rizin: So reagieren die Nachbarn in Chorweiler auf den Rizin-Fund

Rizin-Fund in Köln : „Wir schlafen hier alle nur mit Angst ein“

Köln-Chorweiler kommt nicht zur Ruhe. Am Freitag durchsuchten Ermittler erneut Wohnungen, nachdem ein Tunesier wegen Terrorverdachts verhaftet worden war. Wir haben mit den Menschen vor Ort gesprochen.

Am Dienstagabend hat ein SEK die Wohnung eines 29-jährigen Tunesiers in Köln-Chorweiler gestürmt. Der Mann wurde verhaftet. In der Wohnung fanden die Beamten das Bio-Gift Rizin. Ein Anschlag mit dieser Substanz hätte zahlreiche Todesopfer zur Folge gehabt. Auch am Freitag kamen Spezialkräfte nach Chorweiler. Sie durchsuchten andere Wohnungen des Hochhauses, zu denen der Tunesier vermutlich Zugang hatte, nach Rizin-Sporen.

Das Viertel ist als sozialer Brennpunkt bekannt. Die Nachricht von einem geplanten Terroranschlag verunsichert die Menschen dennoch sehr.

Am Freitag Vormittag sichern Polizisten der Hundertschaft die Eingänge des Hauses, in dem der verdächtige Tunesier mit seiner Familie lebte. Um die Absperrung der Polizei herum haben sich Nachbarn versammelt. Sie sitzen auf Bänken, haben ihre Kinder dabei und schauen dem Einsatz zu. Eine Mutter sucht sich einen Sitzplatz und positioniert den Buggy so, dass auch das Kind gute Sicht hat. Dann winkt sie zu einem Balkon. Früher habe sie selbst hier gewohnt. Nun grüßt sie die ehemalige Nachbarin.

Angst beim Einschlafen und beim Einkaufen

Wir schlafen hier alle nur mit Angst ein“, berichtet die Frau. „Ich wünsche mir, dass die Polizei diese giftigen Samen findet und dann soll die Merkel die Grenzen wieder schließen.“ Ihren Namen möchte sie nicht nennen. Die Frau neben ihr nickt zustimmend.

Auch Lando Schwarz hat Angst. Der Mann steht etwas entfernt und sieht besorgt zum Hauseingang. Er sagt: „Ich habe gehört, wie giftig dieses Rizin ist. Ich habe Angst hier ins Center zu gehen.“ Wenige Schritte entfernt ist das „City-Center“ mit Sportgeschäft, Drogerie und Elektronikladen. Dort herrscht geschäftiges Treiben, wie an jedem Freitagvormittag.

Unter den Schaulustigen, die sich an den Eingängen der umliegenden Häuser versammelt haben, gibt es auch die Gelassenen. So wie Kaibar Kazizada. Er vertraut auf die Informationen, die er von der Polizei bekommen hat: „Wenn hier eine Gefahr bestehen würde, dann dürften wir hier nicht sein.“

So ähnlich sieht es auch Aziza Fein aus dem Haus gegenüber. Sie sitzt auf ihrem Rollator und sagt: „Wir haben hier jeden Tag Action. Einer stürzt sich in die Tiefe oder die Feuerwehr kommt oder die Polizei.“

Chorweiler landet regelmäßig in den Schlagzeilen. Einen Steinwurf entfernt spielen Kinder an der städtischen Kita. Dort hatte im Jahr 2013 ein Geiselnehmer den Kita-Leiter gefangen genommen und eine Millionenforderung gestellt. Ein SEK stürmte damals die Einrichtung. Das Drama endete unblutig.

In dem Viertel leben 32.000 Menschen. Mehr als ein Viertel sind Ausländer. „Abschieben!“ Da sind sich hier die meisten einig, wenn sie nach dem Verdächtigen gefragt werden. Auch die Mutter ist dieser Meinung.

Bei der Bundestagswahl 2017 stimmten hier 17,2 Prozent der Wähler für die AfD. Die Mehrheit ging gar nicht zu Wahl.

Am späten Nachmittag brachen die Beamten die Durchsuchung ab. Weitere brisante Funde machten sie nicht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So reagiert Chorweiler auf das Gift im Viertel

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