Rizin-Fund in Köln: Behörden nennen Verdächtigen Islamist

Rizin-Fund in Köln : Verdächtiger war laut Behörden tief in islamistischer Szene verankert

Er soll einen Anschlag mit einer Bio-Bombe geplant haben: Die Durchsuchungen bei einem 29-jährigen Tunesier aus Köln haben den Behörden neue Ermittlungsansätze geliefert.

Der 29-jährige Tunesier aus Köln-Chorweiler, bei dem vergangene Woche das Bio-Gift Rizin gefunden wurde, war für die Ermittlungsbehörden eng mit der radikal-islamischen Szene verbunden. Generalbundesanwalt Peter Frank sagte am Mittwoch im Radioprogramm SWR Aktuell: "Er war im islamistischen Spektrum tief verankert und stand mit Personen aus diesem Spektrum in Kontakt." Zweimal habe der Beschuldigte auch versucht, über die Türkei nach Syrien zur Terrororganisation "Islamischer Staat" zu reisen, doch das habe offenbar nicht geklappt, so Frank. Als Mitglied der Terrororganisation gilt der Mann den Angaben zufolge derzeit aber nicht.

Die Durchsuchung seiner Wohnung in Köln habe den Ermittlern zahlreiche Ermittlungsansätze geliefert: "Wir schließen aus den gefundenen Gegenständen, dass sich der Beschuldigte mit dem Gedanken getragen hat, einen Sprengsatz zu bauen", sagte Frank. Ein mögliches Ziel, Ort oder Zeit seien aber derzeit nicht erkennbar.

Einzigartiger Fall

Für die Ermittler hat der Fall eine neue Dimension: "Der Einsatz eines biologischen Kampfstoffes ist der erste Fall für uns in Deutschland", sagte der Generalbundesanwalt. Allerdings würden islamistische Terroristen schon länger mit einem solchen Szenario werben: "Islamistische Terroristen haben in den vergangenen Jahren immer wieder über ihre Werbekanäle verschiedene Anleitungen, auch zur Herstellung von Rizin aus Rizinus-Samen, beworben", so Frank.

Die Entdeckung des Verdächtigen bezeichnete der Generalbundesanwalt als "sehr gutes Beispiel für die Zusammenarbeit der Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden national und international".

Am Dienstag vergangener Woche hatten Spezialkräfte von Polizei, Feuerwehr sowie Experten des Berliner Robert-Koch-Instituts die Wohnung des Beschuldigten in Köln-Chorweiler durchsucht. Dabei fanden sie neben Material zum Bombenbau auch das selbst hergestellte Pflanzengift Rizin. Schon kleinste Mengen dieses Giftes können beim Menschen schwere Gesundheitsschäden auslösen und sogar tödlich sein. Ein Gegengift zu Rizin gibt es nicht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Durchsuchungen in Köln-Chorweiler nach Rizin-Fund im Juni 2018

(sef/kna)
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