1. NRW
  2. Städte
  3. Köln

Prozess wegen Gefangenenbefreiung: Vater und Sohn stehen vor dem Kölner Amtsgericht

Herrentour läuft aus dem Ruder : "Da war eine nicht unerhebliche Menge Alkohol im Spiel"

Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, versuchte Gefangenenbefreiung: Ein völlig eskalierter Herren-Ausflug endete zu Pfingsten für einen Vater und seinen Sohn in Polizeigewahrsam. Jetzt fanden sich die beiden in Köln vor Gericht wieder.

Hubert und Tim H. (Namen geändert), 60 und 34 Jahre alt, sitzen einigermaßen nervös auf der Anklagebank. Es ist das erste Mal; Vater und Sohn haben sich bisher noch nie etwas zuschulden kommen lassen, ihre Vorstrafenregister sind blütenweiß. Hubert K. ist Chemiker, sein Sohn Kfz-Mechaniker. Als die Staatsanwältin sich erhebt und die Anklage verliest, zieht Tim H. erstaunt die Augenbrauen hoch und schluckt. Die Vorwürfe klingen hart: Beleidigung, Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und versuchte Gefangenenbefreiung.

Am 14. Mai 2016, Pfingstsamstag, kam es in einem Regionalzug im Kölner Hauptbahnhof zu den Taten, die von Videokameras im Zug und am Bahnsteig aufgezeichnet wurden. Vater und Sohn waren sturzbetrunken, als sie in den Zug stiegen. Hubert K. pöbelte andere Fahrgäste an, wurde handgreiflich und beleidigte alle, unter anderem rief er: "Asylantenpack!" Noch bevor der Zug abfuhr, verständigten Zeugen die Polizei. Als Hubert K. die Bundespolizisten sah, drehte er erst richtig auf: "Bastarde, Hurensöhne, Arschlöcher" nannte er sie.

  • Die Unterbringung der 47-jährigen Angeklagten in
    Gerichtsverfahren vor dem Landgericht : Anklage wegen Körperverletzung - Nettetalerin ist schuldunfähig
  • Britney Spears könnte eine Etappensieg errungen
    Monatelanger Streit : Vater von Britney Spears will als Vormund zurücktreten
  • Wegen Raubdelikten müssen sich zwei junge
    Sieben Fälle aus Leverkusen : Tankstellen-Raub: Junges Duo vor Gericht

Verstärkung wurde gerufen, sechs Mann brauchte es, um den 60-Jährigen am Boden zu fixieren. Er hatte sich vorher geweigert, den Zug zu verlassen. Als Sohn Tim seinen Vater am Boden sah, erwachte auch in ihm der Zorn. Er rannte mit dem Ausruf "Scheißbullen!" auf die Beamten zu und versuchte, sie weg zu schubsen. Sein Vater rief: "Ich geh keinen Meter, ihr müsst mich schon wegtragen." Das taten die Beamten. Der wild zappelnde Betrunkene landete in der Ausnüchterungszelle, genau wie sein Sohn.

Acht Monate später sitzen sie nun vollkommen nüchtern im Gerichtssaal und lassen erst einmal ihren Verteidiger sprechen. "Die Erinnerung an den Tag ist nur äußerst rudimentär vorhanden", sagt der Anwalt. "Da war eine nicht unerhebliche Menge Alkohol im Spiel." Nicht unerheblich meint: Fast zwei Promille.

Der Verteidiger räumt ein, seine Mandanten hätten sich "daneben benommen". Hubert K. sagt: "Wenn das auf dem Video so zu sehen ist, dann war das auch so."

Man sei morgens um 8 Uhr losgefahren von Euskirchen zum Drachenfels, neun Männer waren es, die ihren traditionellen Pfingstausflug machten. Tim K. sagt: "Da floss ab neun Bier in rauen Mengen." Seinem Vater ist die ganze Sache sichtlich unangenehm: "Ich habe gar keine Probleme mit Asylanten. Ich arbeite seit 46 Jahren sehr gut mit Ausländern zusammen." Das Gericht stuft ihn als "Hauptaggressor" ein. Hubert K. sagt: "Ich will mich für die Kacke entschuldigen, das ist normalerweise nicht meine Art."

Die Staatsanwältin betont, dass der Job eines Polizeibeamten auch so schon schwer genug sei, und fordert Geldstrafen von 2000 Euro für den Vater und 600 Euro für den Sohn.

Der Verteidiger sagt: "Ich weiß, wir sind hier nicht auf dem Basar, aber etwas weniger wäre meinen Mandanten recht."

Die Amtsrichterin wertet die bisherige Straffreiheit der Angeklagten und ihre Geständnisse zu ihren Gunsten und stellt das Verfahren gegen die Zahlung von 2000 Euro und 400 Euro ein. Das Geld müssen die beiden an den Kölner Verein "Männer gegen Männergewalt" überweisen.

(hsr)