Prozess in Köln: Mann soll Touristin vor Stadtbahn gestoßen haben: "Er war total fanatisch"

Touristin in Köln vor Stadtbahn gestoßen : "Er war total fanatisch — sehr wütend, sehr böse"

Ein 26-Jähriger soll in Köln eine Touristin vor eine Stadtbahn geschubst und drei weitere Frauen in Bahnen oder an Haltestellen beleidigt und angegriffen haben. Nun steht der Mann wegen versuchten Mordes vor Gericht. Verurteilt wird er aber wohl nicht.

Katja D. (Namen geändert) erinnert sich noch gut an jenen Abend, an dem ein Mann sie an der Haltestelle "Friesenplatz" in Köln anschrie und schlug. "Er war total fanatisch — sehr wütend, sehr böse", sagt die 29-jährige Lehrerin am Montag als Zeugin im Kölner Landgericht. Es war der 12. Februar 2017, Katja D. war nach einem Kinobesuch auf dem Heimweg, als der junge Mann sie ansprach und nach der Uhrzeit fragte.

"Ich war nicht freundlich, weil die Uhrzeit auf der Anzeigetafel der Bahn direkt über ihm stand — das habe ich ihm gesagt, ihm aber trotzdem auch gesagt, wie spät es ist", sagt sie. Der Mann habe sich neben sie gesetzt und ihr plötzlich mit beiden Händen gegen den Kopf geschlagen. "Er hat mir vorgeworfen, ich hätte ihn angespuckt." Er sei aufgesprungen, habe sie angeschrien und beleidigt. Andere Wartende hätten schließlich die Polizei gerufen.

Der Mann, den Katja D. meint, ist nun wegen schwerer Körperverletzung angeklagt — aber auch wegen versuchten Mordes. Nach der ersten Tat am Friesenplatz soll Patrick E. in drei weiteren Fällen Frauen in Stadtbahnen oder an Haltestellen beleidigt und geschlagen haben. Am 24. Juli soll er eine amerikanische Touristin an der Haltestelle "Dom/Hauptbahnhof" mit voller Wucht von hinten in Richtung der Gleise gestoßen haben, als gerade eine Bahn der Linie 5 der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) einfuhr. Die 18-Jährige hatte Glück: Sie stürzte nicht ins Gleisbett, schlug sich aber beim Sturz auf den Bahnsteig das Kinn auf. "Er hat ihren Tod billigend in Kauf genommen", sagt die Staatsanwältin.

Patrick E. hört sich sichtlich nervös an, was ihm vorgeworfen wird. Immer wieder fährt er sich mit beiden Händen über das Gesicht, schaut fragend zu seiner Verteidigerin Funda Biçakoğlu. Der 26-Jährige leidet unter einer paranoiden Psychose. Deshalb wird er wohl nicht verurteilt. Es wird erwartet, dass er dauerhaft in einer psychiatrischen Klinik untergebracht wird. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft gilt er als Gefahr für die Allgemeinheit. Zum Zeitpunkt der Taten war er obdachlos.

Im Prozess sagt er zu Katja D.: "Ich möchte mich dafür entschuldigen, was passiert ist." Dem Gericht sagt E. später, er habe tatsächlich gedacht, die Frau habe ihn angespuckt. Immer wieder habe er auch Stimmen gehört. Fünf Tage nach der Tat am Friesenplatz soll er einer Frau in einer Bahn zweimal gegen die Brust gesprungen sein. Und im März schlug er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft einer Frau, die mit Kinderwagen in der Bahn saß, mit voller Wucht mit der Faust von hinten gegen den Kopf.

Während seiner Einlassung schließt die Kammer die Öffentlichkeit am Montag aus, zu seinem Schutz. Einem Psychiater hatte er gesagt, er habe im vergangenen Jahr oft den Eindruck gehabt, Frauen hätten Interesse an ihm, hätten ihn dann aber "verarschen wollen". Ob daher seine Wut auf Frauen kam, wird möglicherweise im Prozess geklärt.

Katja D. scheint fast ein Jahr nach der Tat alles recht gut verarbeitet zu haben. Damals traf sie der Angriff völlig aus dem Nichts. Eine Frau, die damals alles vom Bahnsteig gegenüber beobachtet hat, sagt im Zeugenstand: "Ich hörte sie schreien, sie hatte offensichtlich große Angst, saß da wie in einer Schockstarre."

Am 23. März will die 5. Große Strafkammer in dem Fall eine Entscheidung verkünden.

(hsr)
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