Neonazi-Flugblätter in Kölner Keupstraße aufgetaucht

Drohungen gegen Muslime : Hakenkreuz-Flugblätter in Kölner Keupstraße aufgetaucht

In der Kölner Keupstraße sind Flugblätter mit Hetzbotschaften aufgetaucht - zwei Tage vor einer Gedenkveranstaltung anlässlich des Nagelbombenanschlags vor 15 Jahren. Kölns Oberbürgermeisterin nennt die Flyer-Aktion „widerwärtig“.

Die Wurfzettel zeigen ein Hakenkreuz und sind übertitelt mit „Atomwaffendivision Deutschland“ und richten sich gegen „Moslems in Deutschland“. Ein Sprecher der Kölner Polizei sagt: „Wir haben Kenntnis von den Flugblättern und gehen dem nach.“ Der Staatsschutz habe Ermittlungen wegen der Verbreitung von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen aufgenommen. In den USA ist die „Atomwaffen Division“ eine militante Neonazigruppe.

Die Flyer mit den rechtsextremistischen Inhalten waren in Umschlägen in Briefkästen gefunden worden, Unbekannte hatten sie außerdem in Geschäften abgegeben. Noch ist unklar, wer hinter der Aktion steckt.

Am Sonntagnachmittag ist auf der Keupstraße die Gedenkveranstaltung „Solidarität sichtbar machen“ zum 15. Jahrestag des Nagelbombenanschlags.

Am 9. Juni 2004 hatten Mitglieder des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) vor einem Friseursalon in der Mülheimer Keupstraße eine Nagelbombe gezündet. 22 Menschen wurden damals verletzt, vier von ihnen schwer.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) äußerte sich via Twitter zu den Flugblättern und bezeichnete die Aktion als „widerwärtig“. Der Zeitpunkt sei zynisch gewählt „und für uns alle unerträglich und besonders verletzend. An diesem Wochenende gedenken wir ganz besonders den Opfern des NSU-Anschlages vor 15 Jahren.“

Die Polizei bewertet nach eigener Angabe nun fortlaufend die jeweils vorliegenden Ermittlungsinhalte im engen Austausch mit den anderen Sicherheitsbehörden. „Bislang liegen keine konkreten Gefährdungserkenntnisse vor“, heißt es. „Auch unabhängig davon werden am Sonntag wie in den Vorjahren Polizeikräfte vor Ort die Sicherheit der Straßenfestbesucher gewährleisten.“

(hsr)
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