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Missbrauchsnetzwerk in NRW und Bergisch Gladbach: Jörg L. steht ab Sommer vor Gericht

Missbrauchsnetzwerk in NRW : Jörg L. soll Tochter ab dem dritten Lebensmonat sexuell missbraucht haben

Im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach hat das Kölner Landgericht die Anklage gegen Jörg L. zugelassen. Der 43-Jährige soll seine inzwischen dreijährige Tochter viele Male sexuell missbraucht haben.

Jörg L. aus Bergisch Gladbach gilt in dem Missbrauchsfall als einer der Hauptbeschuldigten. Ab Sommer, voraussichtlich Anfang Juli, muss der 43-Jährige sich nun vor dem Kölner Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem gelernten Koch und Hotelfachmann insgesamt 79 Straftaten vor, wie das Landgericht am Mittwochmorgen mitteilte. Es geht um schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, Herstellung und Verbreitung kinderpornographischer Schriften, Vergewaltigung und Verabredung zu einem Verbrechen.

Die Staatsanwaltschaft hat die 79 Taten in vier Komplexe eingeteilt. Der umfangreichste Komplex mit 70 Taten betrifft den Missbrauch seiner eigenen Tochter, die im Jahr 2017 geboren wurde. Jörg L. soll sie ab dem dritten Lebensmonat bis kurz vor seiner Festnahme im Herbst 2019 immer wieder sexuell missbraucht haben. Er soll Fotos und Videos von seinen Taten gemacht und diese an gleichgesinnte Chatpartner geschickt haben.

Im zweiten Komplex geht es um Straftaten, die Jörg L. gemeinschaftlich mit einem Chatpartner, einem 26 Jahre alten Berufssoldaten aus Kamp-Lintfort, begangen haben soll. Hier sollen der Stiefsohn und die Tochter des 26-Jährigen sowie Jörg L.s Tochter sexuell missbraucht worden sein. Zudem sollen sich Jörg L. und der zweite Angeschuldigte vier Mal zu einem schweren sexuellen Übergriff auf die dreijährige Nichte des Kamp-Lintforters verabredet haben.

Die Komplexe 3 und 4 betreffen Vorwürfe eines sexuellen Missbrauchs anderer Kinder, die Jörg L. über das Internet zu sexuellen Handlungen vor der Kamera motiviert haben soll, und des Besitzes und der Verbreitung kinderpornographischer Schriften, die keinen Bezug zu seiner Tochter haben.

Jörg L. hat sich bislang zu den Vorwürfen nicht eingelassen. Er hat jedoch im Ermittlungsverfahren an der Identifizierung seiner Chatpartner mitgewirkt. Ihm droht eine Freiheitsstrafe zwischen zwei Jahren bis zu 15 Jahren. Außerdem steht die Anordnung der Sicherungsverwahrung im Raum. Er ist seit Oktober in Untersuchungshaft.

Am 12. Mai startet am Landgericht Kleve / Außenstelle Moers der Prozess gegen den Soldaten aus Kamp-Lintfort. Er wurde wegen sexuellen Missbrauchs von kleinen Kindern in 33 Fällen angeklagt. Die Ermittler gehen nach jetzigem Stand von mehr als 30 Opfern bundesweit aus. Mehrere Männer sollen ihre Opfer untereinander getauscht haben. Außerhalb von NRW wurden fast 40 weitere Beschuldigte ermittelt.