Köln: Lumpenball: Der letzte Tanz der Puppenspielerin

Köln : Lumpenball: Der letzte Tanz der Puppenspielerin

Die junge Kölnerin Fanny erlebt in den 30er Jahren den Aufstieg der Nationalsozialisten in ihrer Heimatstadt am Rhein.

KÖLN Die junge Kölnerin Fanny Meyer ist eine lebenslustige Frau, die ihr Geld als Puppenspielerin im Hänneschen verdient. Sie führt in ihrer Heimatstadt ein sorgenfreies Leben in der Künstlerszene. Dort ist sie unter anderem mit Luise Straus-Ernst, der Frau des Malers Max Ernst befreundet.

Dass sich die Welt um sie herum in den 30er Jahren immer mehr verändert, wird ihr beim Besuch ihrer alten Freundin Frieda bewusst. Diese trifft sie nach vielen Jahren wieder. Zunächst tauschen die beiden noch alte Kindheitserinnerungen aus. Doch bald zeigt sich, wie sich Frieda verändert hat. Während Fanny in der Großstadt zu einer selbstbewussten und kritischen Frau entwickelt hat, ist Frieda in der Provinz zu einer konservativen und antisemitischen Mitläuferin der Nationalsozialisten geworden. Auch in Fannys Kölner Freundeskreis bilden sich schleichend Vorurteile gegen Juden heraus.

Fannys jüdischer Vater muss diesen Hass hinnehmen, nachdem sein Laden von den neuen Machthabern boykottiert wird. Auch Fanny wird als städtische Mitarbeiterin der Puppenspiele als Jüdin denunziert. Noch schlimmer trifft es Luise, die als Kunsthistorikerin und junge Mutter immer mehr in Lebensgefahr gerät, und die es schwer hat, ihre Arbeit auszuführen. Sie verlässt schließlich die Heimat und flieht nach Frankreich.

Auch Fannys große Liebe, Gustav, der Tabakhändler, muss sich Sorgen machen. Sein jüngerer Bruder Richard ist Kommunist und wird von den Nazis festgenommen. Schwer misshandelt kommt er frei und entschließt sich, an Weihnachten 1934 nach Schweden zu fliehen. Für Fanny fühlen sich zunächst viele Dinge in ihrem Leben noch normal an. Doch der dunkle Schatten über ihr wird größer. Selbst Weihnachtslieder werden verboten und kritische Theater und Kneipen verschwinden. Bald verliert sie ihren Job und wird schließlich nach Auschwitz deportiert.

"Lumpenball" von Martina Barth (Emons, 240 Seiten, 11.90 Euro) ist ein biografischer Roman, der zeigt, welche Auswirkungen die Machtergreifung der Nazis in Köln hat und wie er das Leben einer jungen Frau verändert. Am 12. September gibt es im Hänneschen-Theater um 19.30 Uhr eine Premierenlesung.

(RP)
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